Alle Inplayzitate
![]()
Eliyas war ein gutaussehender Mann, in der Blüte seines Lebens, mit einer guten und aussichtsreichen Karriere, das Herz irgendwo am rechten Fleck. Also alles in allem ein Mann, der für Katya nicht wirklich von Interesse war.
![]()
Sie redete sich sogar ein, dass sie ihren Schulabschluss nur aus diesem Grund vermasselt hatte. Um anders als Pavla zu sein. Anders, aber eindeutig nicht besser.
![]()
Was Maksim von ihr hielt, war ihr hingegen so ziemlich egal. Er kannte sie nicht, und sie ihn nicht. Und dieser Distanz wohnte eine gewisse Sicherheit inne, denn so vermochte das Urteil ihres Bruders sie auch nicht zu verletzen. Ob sie es insgeheim vermisste, ihren älteren Geschwistern nahe zu sein, versuchte sie selbst nicht zu erörtern – wer wusste, was für Abgründe sich dann in ihrem Inneren auftun würden.
![]()
”Ich bin aber nicht froh über seine Wut. Ich will, dass er sich entschuldigt. Ich will, dass er aufhört, sich so anzustellen und mir das Gefühl zu geben, ich sei ein schrecklicher Freund. Ich will …” Er beendete den Satz nicht, sondern presste nur noch einmal die Lippen aufeinander und zuckte mit den Schultern. Er wollte so vieles, und doch gab es von diesem Vielen genug, was unaussprechlich war und es auch bleiben würde.
![]()
Vielleicht sollte sie ihn einmal mitbringen und es hinter sich bringen, immerhin war Ruben selbst Italiener, er kannte Sonntagsessen sicherlich. Schade das er kein Franzose war, dann wäre es wohl halb so wild, dass er sich kaum in die Familie integrierte.
![]()
Obwohl sie am liebsten ein Besteckstück nach dem anderen gegen die Wand wegen seiner Affäre werfen wollte, schob sie den Gedanken in die hinterste Ecke ihres Kopfes. Jetzt schob sie ihre Trauer dorthin. Ihre Gefühle konnten dort verrotten, wenn es nach ihr ging. In dieser lästigen Ecke, die sicher so mintgrün wie ihre Küche war.
![]()
”Vielleicht hat sie sich ja verändert”, warf Koshka bei dem Gedanken dazwischen, aber Maksim bezweifelte doch stark, dass die Summerset über die vergangenen Jahre plötzlich gelernt hatte, ihr Gehirn zu benutzen und seinen Vater mit ihrer sagenumwobenen Intelligenz zu beeindrucken.
![]()
Das war seine Frau. Und diesen stolzen, angeberischen, machomäßigen Gedanken hatte er auch in den Momenten, in denen der Haussegen vermeintlich schief lag. Völlig egal wie enttäuscht Lissandra von ihm war, selbst ihre Enttäuschung gehörte ganz allein ihm und er hoffte zumindest, dass sie sich niemals von ihm abwandte, ihm auch ihre unerbittliche Treue gehörte.
![]()
All das beobachtete Balthazar argwöhnisch, auch wenn er währenddessen mit hochgezogener Augenbraue nach dem Tiramisu griff und sich ungeduldig den Nachtisch auf den Teller mit den Pastaresten schaufelte. Balthazar war ein simpler Mann…
![]()
Kurz fror Balthazar in seiner Bewegung ein, der Löffel mit dem Tiramisu blieb kurz in seinem offenen Mund schweben, ehe er ganz langsam weiteraß. Ausnahmsweise hatte er einmal ohne Puzzola verstanden, dass Lissandra gerade auch gegen ihn stichelte.
![]()
Eine Heirat zwischen Teresa und Ruben würde diesen eigentlich in diesen Kern aufnehmen. Sobald er seiner Schwester den Ring an den Finger steckte, war er offiziell ein Teil der Familie. Aber bisher hatte Balthazar keinerlei Bindung zu dem bärtigen Schönling. Seine Meinung war bisher zudem noch nicht sonderlich hoch; selbst Alfonso war skeptisch – für ihn roch Ruben einfach zu gut.
![]()
Von Katya erhoffte er sich vielleicht keine verständnisvolle Schulter zum Ausweinen, weil das überhaupt nicht in das von ihr erweckte Bild passen würde, aber er glaubte doch, dass sie ihm zumindest eine Chance geben würde. Sie würde ihn anhören. Und wenn sie ihn dann als Idioten und Schuldigen betitelte … läge sie eben auch falsch.
![]()
Es war nicht schön, Eliyas zu sehen. Er hatte Eliyas nicht vermisst.
![]()
Das Lächeln auf Maksims Lippen sah so unecht aus, und doch so ekelhaft verletzend, die bloße Existenz eine Beleidigung, dass es Eliyas die Sprache verschlug. Und wäre es nicht das Lächeln gewesen, dann die Wiederholung der Worte, die alles gewesen waren, was Eliyas hatte hören wollen. Nur dass die Art und Weise, wie Maksim sie höhnisch hervor spie, deutlich aufzeigte, dass sie nicht ehrlich gemeint waren.
![]()
Wie leicht ihre Streitigkeiten abzuwenden wären, wenn Maksim nur sagen würde: Ich weiß, dass das nicht stimmt. Ich kenne dich. Ich kenne dich, Eliyas. Ich weiß, dass es dir nicht egal ist, dass wir dir nicht egal sind. Doch derlei Worte wurden bereits davon unmöglich gemacht, dass sie einander seit Adamas kaum noch beim Vornamen nannten; nur in betrunkenen, seltsamen Momenten war das noch vorgekommen. Und nun würde es das nie wieder. So war es eben nun einmal.
![]()
„Guten Tag Polina“, sagte sie, mit einem Räuspern in der Stimme und auf sie zugehend, um einen kurzen Gruß dazulassen und dann wieder ihres Weges zu gehen. Das erinnerte sie an die Geburtstagsfeier ihres elendigen Schwagers in wenigen Wochen. Möge die Pest ihn vorher ereilen und ihre Schwester endlich ihren Frieden vor dieser Ehe und wieder zu sich selbst finden.
![]()
Aurora freute sich für Margot, dass sie endlich einen Mann gefunden hatte, der ihr die egomanen Star-Allüren verzieh, wenn er sie nicht sogar zu schätzen wusste.
![]()
Zedekiah Hewley trat gerade zwischen den Streben der Bühne hervor, das Gesicht so markant, dass Eliyas ihn sofort erkannte, obwohl sie während der Schulzeit nicht befreundet gewesen waren. Dennoch erinnerte er sich sehr genau daran, wie Zed Selena stets hinterher gedackelt war. Mal abgesehen davon, dass Eliyas Katz ein ansehnliches Gesicht niemals vergaß.
![]()
Sein Blick blieb stets auf Salimatou Ba geheftet, so ernst nahm Timothy seinen Job.
![]()
„Aber nun mach es nicht so spannend. Was genau hat mein liebreizender Bruder über mich gesagt? Mir käme nichts in den Sinn, das nicht schmeichelhaft wäre. Ich bin schließlich…“, sie wollte nicht perfekt sagen, “ich.“
![]()
Die Fedorov-Kinder hatten alle Phasen, in denen sie die Welt und die Familie verdammten, letztlich aber nur in stummer Rebellion sich selbst zu Grunde richteten. Anders hatten sie es nicht gelernt, sich auszudrücken. Ihr Zorn richtete sich immer gegen sie selbst, auch wenn die Eltern oder die Geschwister diesen heraufbeschworen hatten.
![]()
Wenn er eines Tages heiraten würde, dann die Blondine, die sich nun mit von Tränen geröteten Augen in einer Umarmung an ihn drückte. Wenn er Kinder haben würde, dann würden sie vielleicht noch immer seine dunklen Locken auf den winzigen Köpfen tragen, doch in ihren Augen würde sich der gleiche strahlende Himmel finden, wie in Selenas. Sie würden ihre Stupsnase und ihre Liebe für die Schönheit der Welt erben und Zedekiah würde sich nichts mehr wünschen, als dass sie glücklich waren.
![]()
Als wenn sie es war, die bis spät in die Nacht außer Haus herumstromerte und geschäftig tat. Vielleicht sollte sie es sein; sollte alles stehen und liegen lassen und sich einen Mann suchen, der sie nicht anstarrte, als hätte er sie zuerst gehasst, bevor er gelernt hatte, sie zu dulden, nur um sie dann mit neuer Intensität zu hassen.
![]()
Der Gedanke war nur schwer zurückzudrängen, aber sie erwischte sich einmal mehr dabei, wie sie darüber nachdachte, dass ihr Kind einmal besser sein würde. Süßer, stiller und braver. Und auch sie würde besser sein als Aurora. Geduldiger, nachsichtiger, liebevoller.
![]()
Er seufzte schwer, nachdenklich und sah dann wieder zu Maksim. „Sag mir, wann sollte ein Vater aufhören, die Scherben hinter seinem Sohn aufzuräumen?“
![]()
Niemand mit dem Namen Fedorov war so weit von Eleganz entfernt, wie Maksim es war.
![]()
So standen sie, beide voneinander weg gedreht, wie es früher niemals der Fall gewesen wäre. Früher war da so viel Vertrauen gewesen, so viel Selbstverständlichkeit, doch diese wirkte mittlerweile Jahre entfernt. Etwas, von dem Eliyas geglaubt hatte, dass es ihm niemals verloren gehen würde, schwamm mit einem Mal davon.
![]()
Aber wenn man Tag ein, Tag aus mit Grausamkeiten konfrontiert wurde, über die zu sprechen einem unmöglich war, hörte man eben auf zu schreiben. Man hörte auf, Worte zu suchen. Man hörte auf, zu dichten. Die leere Seite wurde zum falschen Freund, der nur höhnische Sprüche für einen übrig hatte und an dessen miserable Gesellschaft man sich doch gewöhnte.
![]()
Warum verlangte Aurora noch immer nach mehr von ihm, wenn sie Zuhause doch alles hatte, was sie brauchte? Jetzt wo Allegra zur Welt gekommen war, brauchte sie sich ja noch nicht einmal mehr davor fürchten, alleine zu sein, sobald Emilio bald sein erstes Schuljahr in Adamas antreten würde. Warum also war sie noch immer so schrecklich unzufrieden, mit allem, was Joaquin für sie tat?
![]()
Eliyas hatte einfach ein Talent dafür, einen vergessen zu lassen, wie sehr man sich selbst eigentlich verachtete.
|