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Alles hier wirkt nur nach Farbe, weil du so dringend Farbe hineinbringen willst. Aber am Ende des Tages bist du scheiße grau und dieser ganze Club auch. Alles ist auf Hochglanz poliert, damit man nicht sehen kann, wie das Gebäude und die Menschen darin verrotten.
Jedes Gerücht basierte auf einem wahren Funken - meistens jedenfalls. Und ein Teil von ihm wollte bohren, wollte wissen, was bei Arvin schief lief. Was unfair war, wenn man bedachte, wie sehr er selbst sich einmauerte und ihn aussperrte. Aber das Leben war nunmal nicht fair, niemals. Wieso sollte er es also sein?
Seit er denken konnte, kam er alleine zurecht, schlug sich durch, biss sich fest, und auch wenn er mit dem Lamm jemanden gefunden hatte, der blieb – jedenfalls bis heute – wollte er sich nicht abhängiger machen, als es sein musste. Ihm nichts schulden, ihn nicht beflecken, nicht mit runterziehen. Wohin auch immer. Ob nur unter die Erde, oder direkt in die Hölle.
Nur eine andere Frau konnte wissen, welche Hürden sie tagtäglich zu überwinden hatte, um in dieser Welt eine wichtige Position offen bekleiden zu können.
. Immerhin bestand die Möglichkeit, dass Isla einfach einen Szeneriewechsel brauchte. Spontan genug war seine jüngste Schwester dafür auf jeden Fall. Im Gegensatz zu ihm James war so spontan wie ein Stein.
Zu ihrer eigenen Überraschung entspannte sich die Grimm ein wenig, neigte den Kopf und hob ihre Brauen. ”Du solltest über eine Karriere als Hellseherin nachdenken, das Talent zum Überzeugen älterer Herren mit Cherry-Fahne besitzt du.”, was nicht nur ein Lob ihrer Beobachtungsgabe war, sondern auch eine Bestätigung dieser.
Und tatsächlich hatte sie ein ernsthaft offenes Gespräch gewonnen. Damit hatte sich die Wichtigkeit des fragwürdigen Gegenstands in Luft aufgelöst. Isla ließ es in ihren Schoß fallen, zog die kalte Winterluft erfreut ein und klatschte aufgeregt in ihre Hände.
"Sehr schön, sehr schön!" Das Lächeln stockte plötzlich, als ihr bewusst wurde, dass es keine gute Idee war ein unsichtbares Päckchen fallen zu lassen. Sofort fielen ihre Hände auf ihre Beine. "Ah, natürlich" – ein beruhigtes Ausatmen, ein nervöses Lachen. Ihre Finger berührten das warm gehaltene Papier. Das Lächeln schlich sich zurück auf seinen Platz, als Isla die Lieferung ihrem wahren Empfänger anbot.
Ihre Schritte setzen aus, wie ein Herzschlag, der übersprungen wurde. Holla, ein Mann, der ihre Frechheit nicht nur ertrug, sondern sie darin auch noch anstacheln wollte?
Die Leichtigkeit, die sich mit einem Mal zwischen ihnen auftat, fühlte sich an, als würde er von einer tonnenschweren Last befreit, die sich unbarmherzig auf seinen Brustkorb gelegt hatte, ihn zusammenpresste, bis man Angst bekam, die Rippen würden jeden Augenblick bersten und seine Lungen einfach zerquetscht. Nun löste sich dieser Druck, machte Platz für etwas anderes, für eine Ruhe, die fast befremdlich wirkte, und Erleichterung in ihm weckte. Es tat gut, den dichten Nebel des Unbehagens für einen Moment davon ziehen lassen zu können, wenn auch nur für einen Moment.
Die Frau im Wasser wirkte auf diesen kleinen Blick, den er auf sie werfen konnte, sehr menschlich, doch sie warnte dennoch vor schönen Gestalten – oder vor sich. «Deshalb studiert man sie gern aus der Ferne», auf die eine oder andere Weise.
Der Gedanke an ihre Familie hinterließ jedoch völlig unerwartet einen dumpfen Druck unter seinen Rippen. Für einen Moment sah er das prunkvolle Anwesen der Falkenraths vor sich. Er hörte die Stimme seiner Mutter, die jeden Fehler in seiner Haltung, seiner Persönlichkeit, seiner Existenz quittierte. Isaac zog etwas kräftiger an seiner Zigarette und ließ das Bild mit dem Rauch verschwinden. Seine Miene blieb ruhig.
Zwei Vögel mit gestutzten Flügeln inmitten eines fremden Schwarms.
Früher… als Jugendliche, da hatte sie selbst einmal das Weiß der Astatoren anlegen wollen. Dann war es nur das Weiß ihrer Hochzeit geworden.
Zu seinen Füßen bewegte sich Mirna mit fast lautlosen Schritten, hob mit einer aristokratischen Eleganz, die ihr ebenso wie ihm angeboren zu sein schien, die lange Schnauze und forderte stumm nach seiner ungeteilten Aufmerksamkeit. Ihr seidiges Fell bildete einen fast surrealen Kontrast zu den feuchten, grauen Sandsteinplatten des Bodens, auf dem sie sich weigerte, Platz zu nehmen. Sie hasste die Waschküche mit einer Inbrunst, die Oswald amüsierte. Zu feucht, zu warm, zu untere Klasse. Das Fell kräuselte sich dann immer so unschön, behauptete sie.
Er rauchte mit dieser tiefen, fast meditativen Gelassenheit; das war seine Art, die Nerven zu beruhigen, einen Schritt zurückzutreten und es langsamer angehen zu lassen. Quality Time nach Kovar-Manier.
Entgegen der haarsträubenden Geschichten, die man sich hinter vorgehaltener Hand im Untergrund über ihn erzählte, war Oswald Kovar kein Mann, der Grausamkeit als eine perverse Form der Unterhaltung begriff oder Befriedigung daraus zog, andere leiden zu sehen. Er war kein Sadist.
Vielleicht war die Herausforderung nicht, das Rätsel in ihren Handen zu lösen, sondern das, was gerade vor ihr stand. Die Fremde erschien als eine ganz andere Art von Enigma.
» Es ist ein bewundernswerter Luxus, manche Türen einfach verschlossen zu halten und darauf zu vertrauen, dass die Schlösser ewig halten. Aber ein Experiment, um bei den Begriffen der Wissenschaft zu bleiben - «, kurz sah er dabei zu Lune, bevor sein Blick weider zu Maelle wanderte, » - offenbart seine wahre Natur nun einmal selten in der bloßen Theorie der Lehrbücher. Manche Erfahrungen lassen sich nicht aus zweiter Hand erben. Man muss sie wohl oder übel selbst atmen, selbst fühlen und bisweilen auch selbst erleben. «
Ihre Stimme setzte ein, und Isaac passte sein Spiel sofort an. Er nahm den Takt dort zurück, wo sie Raum wollte, und zog ihn wieder an, sobald sie ihn herausforderte. Als sie improvisierte, folgte er ihr, ohne lange darüber nachzudenken – einfach aus Spaß. Das hier ... war keine Begleitung mehr. Es war ein Tanz.
Als die letzte Zeile verklang, ließ Isaac das Stück auslaufen und erst als der letzte Ton im Saal verstummte, hob er den Blick.
Ihr leises Klatschen traf ihn härter, als es sollte. Ich bin beeindruckt.
Damit behielt sie die Illusion weiter aufrecht, dass sie ihn aufs strengste Prüfen wollte, dabei hatte sein charmantes Lächeln und seine frechen Worte längst sie bereits beeindruckt.
»Und keine Sorge, Miss Balfour.« Er setzte sich auf die Klavierbank und sah noch einmal zu ihr auf. »Ich habe nicht vor, Ihnen einzureden, dass Sie mich brauchen.« Er machte eine kurze Pause. Sein Grinsen wurde schmaler, selbstgefälliger gar. »Ich werde Ihnen nur die Gelegenheit geben, selbst darauf zu kommen.« Dann erst nahm er die Blätter entgegen.
Das unbestimmte Gefühl ließ die Fingerspitzen über seine Schultern gleiten und schloss von hinten die Arme um ihn, wie ein Geliebter, der ausschließlich sein eigenes Verlangen im Sinn hatte; ein Geliebter, den es verzückte, wenn es August die Luft abschnürte und es sein Blut nicht heiß, sondern eiskalt durch seine Adern rann.
Wenn du die Dekoration entfernst, dann können die anderen Schichten nichts mehr tragen. Die Glasur und die Kirschen geben den Schichten darunter ihren Sinn.
Das längst vertraute Gefühl von Missfallen lag auf Augusts Haut wie ein öliger Film, den er mit noch so viel Seife und Bürsten nicht abbekommen würde. Es haftete nicht nur an, es sickerte ein, wurde eins mit seiner Haut und übernahm die Zügel seiner Mimik, wann immer er, derweil er bestimmten, aber nicht eiligen Schrittes auf das Herrenhaus zuging, einen Blick auf das Gebäude warf.
„Was machen Sie denn hier? Wohnen Sie nicht …“, er hatte keine Ahnung, wo abgehalfterte, drogensüchtige Musiker hausten. „… woanders?“
"Nun?", sie legte den Kopf erwartungsvoll leicht schief. "Zeigen sie mir und der Welt, dass ihr Talent genauso groß ist wie ihr Ego."
Als sie schließlich das Tor erreichten, setzte sich das Bild zusammen. Natürlich. Illegale Duelle.
»Isaac Falkenrath. Pianist, gelegentlicher Retter mittelmäßiger Darbietungen und künftiger Grund, weshalb dieses Haus irgendwann stolz behaupten wird, es habe mich entdeckt.«
Was August in diesem Waldbereich besonders ins Auge stach, war die relative Häufigkeit von Eiben. Er hatte eine gewisse Sympathie für Eiben, an denen wirklich alles giftig war und hatte mehr als einmal mit dem Gedanken gespielt, eine Eibenhecke um sein kleines Grundstück zu pflanzen – ein Statement, das vermutlich kaum jemand begreifen würde. Dann wiederum würde er sich auch damit abfinden müssen, wenn die eine oder andere streunende Katze das Nervengift aufnahm und deren Gesellschaft machte ihm wenig aus. Von daher blieb die Gifthecke eine Fantasie für schlechte Momente, zumindest fürs Erste.
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