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Unterdessen war das versteckte Flughörnchen auf dem Regal verzückt. Nathaniel hatte die Frau nicht angeknurrt!
„Wenn Hoffnung so leicht aufrecht zu erhalten wäre, wäre es wohl keine Hoffnung mehr. Es liegt in ihrer Natur ein ewiger Keimling zu sein. Wäre sie mehr, wäre sie schon Revolution und Erkenntnis.“
Es blieb kaum Zeit, tiefer einzuatmen, als die Welt um sie herum bereits in Unschärfe versank. Instinktiv senkten sich ihre Lider und das bekannte Kribbeln in ihrem Bauch breitete sich für wenige Herzschläge über ihre Haut aus. Es erinnerte sie jedes Mal an Asseln, wie sie auseinanderstoben, wenn man einen großen Stein umdrehte und sie damit ihres sicheren Heims beraubte.
Er stellte das Glas ab und verschränkte dann die Arme vor der Brust, das Hemd über die Muskeln gespannt wie immer, als wäre Apollo nicht in der Lage Hemden in seiner Größe zu kaufen.
Es war eine Ästhetik, die sein Herz für einen Moment ruhiger schlagen ließ, ein Ort der Klarheit in einer Welt, die ihm momentan viel zu oft wie ein verschwommenes Aquarell vorkam.
Das Labor wirkte wie eine frisch aufgeschlagene Partitur, weiß und erwartungsvoll, in der jedes Instrument seinen festen Platz besaß.
Das spielerische Feixen verflog sofort, als sie das Papierchen vor ihrer Nase als Ausweis für das Archiv erkannte. Iona schnappte nach Luft, drückte die Zeitungen mit der linken Hand noch stärker an ihre Brust, damit sie mit der rechten Hand danach greifen konnte. Ihr Gesicht hellte sich sofort auf, die Brauen wurden wieder sanft geschwungen, die Haut dazwischen glatt. Ihrer Kehle entfloh ein leichtes Quieken, dann wandte sie sich von ihm ab und inspizierte den Ausweis. „Natürlich…“, selbstverständlich würde sie sich nicht an irgendwelche Regeln halten und alles aus diesem Archiv herausquetschen, was es zu bieten hatte.
Immer noch etwas verschämt musste Lune das Gesicht abwenden. Sicherheit empfand Lune in ihrer selbstgewählten Familie. Egal wie oft Gustave sie vielleicht wahnsinnig gemacht hatte, egal wie oft sie Emma als engstirnig bezeichnet hätte, egal wie oft sie Sciels Wolkenschlösser anzweifeln mochte, in diesem Kreis war sie sicher und geliebt.
In Sciels Blick, in Sciels Berührung, in Sciels ganzem Sein konnte Lune nur Verbundenheit spüren und dieser Mantel des Verständnisses war ungemein tröstlich.
Wenn Isla nur gut genug hinschauen würde, dann könnte sie die Zahnrädchen in seinem Kopf sehen, welche sich schwerfällig in Bewegung setzten und der Funken Realisation übersprang, dass Isla nun tatsächlich vor ihm stand.
Denn selbst jetzt lag in diesem Moment noch etwas in der Luft․ Es wollte nicht ganz verschwinden․ Kein Schmerz mehr‚ kein offenes Ziehen‚ eher ein Echo․ Wie ein Ton‚ der längst verklungen war‚ jedoch sich doch noch irgendwo im Raum hielt․ Gustave․ Es brauchte keine Aussprache seines Namens‚ um da zu sein․ Er war es einfach․ Während der Pausen zwischen zwei Sätzen․ In den Blicken, die manchmal einen Moment zu lange verweilten. Und trotzdem… sie standen noch․ Zusammen․
Auf seinen Lippen prangte immer noch dieses aufgeschlossene, schiefe Grinsen – er war gut darin, sich kaum etwas anmerken zu lassen.
Du musst es ja wissen, denkt Oswald, besitzt allerdings genügend Nachsicht, die Worte dort zu lassen, wo sie am wenigsten Schaden anrichten: hinter den Zähnen, eingeklemmt zwischen Zunge und Gaumen.
Für sie waren Gefühle keine Störung im System․ Sie waren vielmehr Teil davon․
Ihr aufkeimender Ärger war ihr nur an den leicht geblähten Nasenflügeln anzusehen. Deutlicher hingegen zeigte es sich in der Art, wie sich Vasya vorsichtig von ihrem Platz auf Mathildas Schulter löste, um mit leisen Pfoten auf dem Boden aufzukommen und die Nähe von Mirna zu suchen.
» Dramatisch? Ich? Pff! «, stieg darauf ein, auch wenn sie beide sehr genau wussten, was sie damit meinte. Trotzdem blies er sich verspielt eine der Haarsträhnen aus der Stirn und griff in einer eleganten Drehung nach der Teekanne. » Als würde ich in deiner Küche zaubern, Sciel. Was denkst du von mir?! Das hier ist deine Kunst! «, erklärte er, ließ es sich aber nicht nehmen, ihr doch zuzuwinkern, bevor er die Teller und den Tee zum Tisch brachte.
Sie machte zumeist einen unschuldigen, zaghaften Eindruck, als wäre sie ein hübscher Kirschblütenzweig, der nur bei einer nur allzu leichten Berührung seine Blüten verlieren oder in seinem Holz brechen würde. Dabei war Iona eher biegsam wie Bambus und wider Erwarten hielt sie einiges aus.
”Mir gebührt dein Ärger nicht.”, antwortete sie knapp, ihre eigene Stimme schneidend. Ohne zu Zögern überreichte sie ihm die Flammenbriefe, blieb dann jedoch mit der Dreistigkeit einer Elster, die etwas Glänzendes bemerkt hatte, in seiner Nähe.
Instinktiv tasteten seine Finger nach dem Gehstock, der immer irgendwo griffbereit auf ihn wartete — in diesem Fall am Sessel lehnend, woraufhin sich die elegante Gestalt von Mirna auf dem benachbarten Sofa regte. Mit einer Mischung aus aristokratischer Anmut und unverhohlener Kritik verfolgte sie seine steifen Bewegungen und konnte es sich nicht nehmen lassen, ihm ein entnervtes „Na endlich!“ in den Kopf zu pflanzen, das ihm ihre Missbilligung über die ausufernden Lesezeiten verdeutlichen sollte.
In einer gewohnten Bewegung schob er den Riemen der Flinte über seine Schulter, warf einen Blick zurück und beobachtete, wie der Ältere den gleichen, aber für ihn sichtlich fordernderen, Weg nahm. Nicht das Verso geurteilt hätte. Im Gegenteil. Er unterdrückte viel eher den Drang, die Hand auszustrecken, und ihm zu helfen. Um ihm vielleicht das Gewehr oder den Gehstock abzunehmen, aber … Männer wie sie kannten sich und solange Oswald keine Anzeichen machte, rührte auch Verso keinen Finger. Aber dass er blieb, anstelle sich einfach auf den Weg zu machen, war ein stummes Mahnmal dessen, dass er die Gefahr ausschloss, wenn der Ältere auf den wenigen Stufen doch den Halt verlieren konnte.
Es barg eine andere Faszination in sich, wie die Natur immer die Zeiten zu spiegeln wusste. Dort, wo der niedere Stand um ein Überleben kämpfte, während Männer wie sie beide auf dem Hochsitz saßen, die Kälte zwar spürten, sie aber willig erduldeten in dem Wissen, dass ein warmes Dach auf sie warten mochte und sie keinen Hunger fürchten mussten.
„War Dray nicht der…“, Sitzengebliebene, der scheinbar entweder viel zu schlecht für das Lernen war oder einfach nicht gut genug im Denken.
"Ich hab schon fast vergessen wer du bist!", gab sie schnippisch zurück, ohne zu ahnen, wie nah sie der Wahrheit damit eigentlich kam.
Dennoch war Hester auf lange Sicht ein Problem, um das er sich eines Tages kümmern musste.
"Manchmal fühlt sich ein Nickerchen an wie 17 Jahre, nicht wahr, Hermanito?", antwortete Lorenzo und setzte ein schiefes Grinsen auf, ehe er wieder einen Schluck nahm. Für einen Moment fühlte es sich wirklich wieder so an wie früher, als wären die letzten Jahre nie gewesen, als würden sie immer noch zusammen ein Ziel verfolgen.
Sciel fühlte schon, ehe sie verstand; Lune verstand, ehe sie es zuließ, dass sie fühlte. Und irgendwo dazwischen hatten sie sich immer getroffen.
Sie wirkte auch nicht wie jemand, der nachgab. Vielleicht sogar würde sie gerade nach der Begegnung auf dem Turm darauf bestehen. Um ihm zu zeigen, wer hier die Prinzessin war.
Ob die anderen ihn einfach in Ruhe lassen wollten, wusste Iona nicht so genau… aber etwas in Ruhe lassen… naja, das war nicht gerade ihre Stärke.
Dann griff sie nach der abgelehnten Tasse, nippte daran und sah Sol dabei wieder direkt in die Augen, den Blick haltend. „Sei nicht so überheblich. Du bist nicht wichtig genug, als dass ich dich umbringen wollen würde.“
Sollte der erste Eindruck nicht ein wenig … freundlicher sein? Vielleicht ist das aber auch eine Strategie, um dafür zu sorgen, dass manche Anliegen es gar nicht erst über ihre Theke hinweg schaffen und einfach in der Luft verpuffen.
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