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Sie machte zumeist einen unschuldigen, zaghaften Eindruck, als wäre sie ein hübscher Kirschblütenzweig, der nur bei einer nur allzu leichten Berührung seine Blüten verlieren oder in seinem Holz brechen würde. Dabei war Iona eher biegsam wie Bambus und wider Erwarten hielt sie einiges aus.
”Mir gebührt dein Ärger nicht.”, antwortete sie knapp, ihre eigene Stimme schneidend. Ohne zu Zögern überreichte sie ihm die Flammenbriefe, blieb dann jedoch mit der Dreistigkeit einer Elster, die etwas Glänzendes bemerkt hatte, in seiner Nähe.
Instinktiv tasteten seine Finger nach dem Gehstock, der immer irgendwo griffbereit auf ihn wartete — in diesem Fall am Sessel lehnend, woraufhin sich die elegante Gestalt von Mirna auf dem benachbarten Sofa regte. Mit einer Mischung aus aristokratischer Anmut und unverhohlener Kritik verfolgte sie seine steifen Bewegungen und konnte es sich nicht nehmen lassen, ihm ein entnervtes „Na endlich!“ in den Kopf zu pflanzen, das ihm ihre Missbilligung über die ausufernden Lesezeiten verdeutlichen sollte.
In einer gewohnten Bewegung schob er den Riemen der Flinte über seine Schulter, warf einen Blick zurück und beobachtete, wie der Ältere den gleichen, aber für ihn sichtlich fordernderen, Weg nahm. Nicht das Verso geurteilt hätte. Im Gegenteil. Er unterdrückte viel eher den Drang, die Hand auszustrecken, und ihm zu helfen. Um ihm vielleicht das Gewehr oder den Gehstock abzunehmen, aber … Männer wie sie kannten sich und solange Oswald keine Anzeichen machte, rührte auch Verso keinen Finger. Aber dass er blieb, anstelle sich einfach auf den Weg zu machen, war ein stummes Mahnmal dessen, dass er die Gefahr ausschloss, wenn der Ältere auf den wenigen Stufen doch den Halt verlieren konnte.
Es barg eine andere Faszination in sich, wie die Natur immer die Zeiten zu spiegeln wusste. Dort, wo der niedere Stand um ein Überleben kämpfte, während Männer wie sie beide auf dem Hochsitz saßen, die Kälte zwar spürten, sie aber willig erduldeten in dem Wissen, dass ein warmes Dach auf sie warten mochte und sie keinen Hunger fürchten mussten.
„War Dray nicht der…“, Sitzengebliebene, der scheinbar entweder viel zu schlecht für das Lernen war oder einfach nicht gut genug im Denken.
"Ich hab schon fast vergessen wer du bist!", gab sie schnippisch zurück, ohne zu ahnen, wie nah sie der Wahrheit damit eigentlich kam.
Dennoch war Hester auf lange Sicht ein Problem, um das er sich eines Tages kümmern musste.
"Manchmal fühlt sich ein Nickerchen an wie 17 Jahre, nicht wahr, Hermanito?", antwortete Lorenzo und setzte ein schiefes Grinsen auf, ehe er wieder einen Schluck nahm. Für einen Moment fühlte es sich wirklich wieder so an wie früher, als wären die letzten Jahre nie gewesen, als würden sie immer noch zusammen ein Ziel verfolgen.
Sciel fühlte schon, ehe sie verstand; Lune verstand, ehe sie es zuließ, dass sie fühlte. Und irgendwo dazwischen hatten sie sich immer getroffen.
Sie wirkte auch nicht wie jemand, der nachgab. Vielleicht sogar würde sie gerade nach der Begegnung auf dem Turm darauf bestehen. Um ihm zu zeigen, wer hier die Prinzessin war.
Ob die anderen ihn einfach in Ruhe lassen wollten, wusste Iona nicht so genau… aber etwas in Ruhe lassen… naja, das war nicht gerade ihre Stärke.
Dann griff sie nach der abgelehnten Tasse, nippte daran und sah Sol dabei wieder direkt in die Augen, den Blick haltend. „Sei nicht so überheblich. Du bist nicht wichtig genug, als dass ich dich umbringen wollen würde.“
Sollte der erste Eindruck nicht ein wenig … freundlicher sein? Vielleicht ist das aber auch eine Strategie, um dafür zu sorgen, dass manche Anliegen es gar nicht erst über ihre Theke hinweg schaffen und einfach in der Luft verpuffen.
Ihre Wege mochten sich getrennt haben, aber im Herzen waren sie eins.
Für einen Moment verschwammen Realität und Erinnerung. Seine Wohnung wurde zur Kaserne. Die Krawatte zur Erkennungsmarke. Das metallene Plättchen lag schwer in seiner Hand. Er blinzelte ein paar Mal.
Ihre Schönheit war genauso trügerisch wie ihre unschuldige Miene. Ein Wolf im Schafspelz. Die Büchse der Pandora. Er fürchtete sich vor allem, was sie auslösen konnte.
Die arrogante Geste weckt die eingeschlafene Kampfeslust, unter den grimmigen Brauen begegnet er Oswalds eisigen Augen.
Wortlos schiebt er ihm die Spitze des (Violin)Bogens unters Kinn, zwingt ihn dadurch, den Kopf anzuheben, bis sein Hals fast komplett durchgestreckt ist. Ein seichter Zug um den Mundwinkel. Nett, wenn der so zu ihm aufsehen muss.
Ein ordentliches Fleckchen Land, und trotzdem nicht ausreichend, um Oswalds Ego zufrieden zu begrenzen.
Der geschmückte Baum macht Eindruck. Steht imposant rum, beansprucht viel Raum, sieht der dekorierten Farce überdrüssig aus. Passt zu Oswald.
Arvin zieht die Beine aufs Sofa, als wolle er sich einkugeln und auf Nimmerwiedersehen aus der Tür rollen.
Erwartet der jetzt eine Reaktion von ihm; einen Kommentar oder eine Geste? Vielleicht Zustimmung. „Uhm…“ Perfekt.
Eine Müdigkeit, die sich nicht abschütteln ließ, egal, wie sehr er es versuchte. Eine Müdigkeit, die ihn verfolgte, seit seine Mutter von ihnen gegangen war.
Wer von draußen kommt, putzt sich besser die Schuhe ab. Im Profil so mancher Sohle schleppt sich das Grauen in die magische Welt.
Ehe ist nicht alles. Und wenn sie alles wird, kann sie ganz schnell nichts werden.
Wie jedes Jahr sind wir zwar auf dem Weihnachtsmarkt, aber ich trete auf der Stelle. Sie hat mich dagegen eingeholt, umrundet, und ist jetzt wieder dieses Jahr an diesem Ort an genau dieser Stelle neben mir.
Wenn ich sie ansehe, ist sie makellos, mit den feinen Gesichtszügen und wie sie beim Lachen die Nase kräuselt, oder beim Weinen mit den Lippen bebt, oder wie jetzt von den warmen Klamotten und dem heißen Glühwein ganz rote Wangen hat.
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