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Alle Inplayzitate
Zu seinen Füßen bewegte sich Mirna mit fast lautlosen Schritten, hob mit einer aristokratischen Eleganz, die ihr ebenso wie ihm angeboren zu sein schien, die lange Schnauze und forderte stumm nach seiner ungeteilten Aufmerksamkeit. Ihr seidiges Fell bildete einen fast surrealen Kontrast zu den feuchten, grauen Sandsteinplatten des Bodens, auf dem sie sich weigerte, Platz zu nehmen. Sie hasste die Waschküche mit einer Inbrunst, die Oswald amüsierte. Zu feucht, zu warm, zu untere Klasse. Das Fell kräuselte sich dann immer so unschön, behauptete sie.
Er rauchte mit dieser tiefen, fast meditativen Gelassenheit; das war seine Art, die Nerven zu beruhigen, einen Schritt zurückzutreten und es langsamer angehen zu lassen. Quality Time nach Kovar-Manier.
Entgegen der haarsträubenden Geschichten, die man sich hinter vorgehaltener Hand im Untergrund über ihn erzählte, war Oswald Kovar kein Mann, der Grausamkeit als eine perverse Form der Unterhaltung begriff oder Befriedigung daraus zog, andere leiden zu sehen. Er war kein Sadist.
Vielleicht war die Herausforderung nicht, das Rätsel in ihren Handen zu lösen, sondern das, was gerade vor ihr stand. Die Fremde erschien als eine ganz andere Art von Enigma.
» Es ist ein bewundernswerter Luxus, manche Türen einfach verschlossen zu halten und darauf zu vertrauen, dass die Schlösser ewig halten. Aber ein Experiment, um bei den Begriffen der Wissenschaft zu bleiben - «, kurz sah er dabei zu Lune, bevor sein Blick weider zu Maelle wanderte, » - offenbart seine wahre Natur nun einmal selten in der bloßen Theorie der Lehrbücher. Manche Erfahrungen lassen sich nicht aus zweiter Hand erben. Man muss sie wohl oder übel selbst atmen, selbst fühlen und bisweilen auch selbst erleben. «
Ihre Stimme setzte ein, und Isaac passte sein Spiel sofort an. Er nahm den Takt dort zurück, wo sie Raum wollte, und zog ihn wieder an, sobald sie ihn herausforderte. Als sie improvisierte, folgte er ihr, ohne lange darüber nachzudenken – einfach aus Spaß. Das hier ... war keine Begleitung mehr. Es war ein Tanz.
Als die letzte Zeile verklang, ließ Isaac das Stück auslaufen und erst als der letzte Ton im Saal verstummte, hob er den Blick.
Ihr leises Klatschen traf ihn härter, als es sollte. Ich bin beeindruckt.
Damit behielt sie die Illusion weiter aufrecht, dass sie ihn aufs strengste Prüfen wollte, dabei hatte sein charmantes Lächeln und seine frechen Worte längst sie bereits beeindruckt.
»Und keine Sorge, Miss Balfour.« Er setzte sich auf die Klavierbank und sah noch einmal zu ihr auf. »Ich habe nicht vor, Ihnen einzureden, dass Sie mich brauchen.« Er machte eine kurze Pause. Sein Grinsen wurde schmaler, selbstgefälliger gar. »Ich werde Ihnen nur die Gelegenheit geben, selbst darauf zu kommen.« Dann erst nahm er die Blätter entgegen.
Das unbestimmte Gefühl ließ die Fingerspitzen über seine Schultern gleiten und schloss von hinten die Arme um ihn, wie ein Geliebter, der ausschließlich sein eigenes Verlangen im Sinn hatte; ein Geliebter, den es verzückte, wenn es August die Luft abschnürte und es sein Blut nicht heiß, sondern eiskalt durch seine Adern rann.
Wenn du die Dekoration entfernst, dann können die anderen Schichten nichts mehr tragen. Die Glasur und die Kirschen geben den Schichten darunter ihren Sinn.
Das längst vertraute Gefühl von Missfallen lag auf Augusts Haut wie ein öliger Film, den er mit noch so viel Seife und Bürsten nicht abbekommen würde. Es haftete nicht nur an, es sickerte ein, wurde eins mit seiner Haut und übernahm die Zügel seiner Mimik, wann immer er, derweil er bestimmten, aber nicht eiligen Schrittes auf das Herrenhaus zuging, einen Blick auf das Gebäude warf.
„Was machen Sie denn hier? Wohnen Sie nicht …“, er hatte keine Ahnung, wo abgehalfterte, drogensüchtige Musiker hausten. „… woanders?“
"Nun?", sie legte den Kopf erwartungsvoll leicht schief. "Zeigen sie mir und der Welt, dass ihr Talent genauso groß ist wie ihr Ego."
Als sie schließlich das Tor erreichten, setzte sich das Bild zusammen. Natürlich. Illegale Duelle.
“Bitterkeit steht dir nicht, Leonard”, flüsterte eine innere Stimme, die gefährliche Ähnlichkeit mit dem Singsang einer Russin hatte.
»Isaac Falkenrath. Pianist, gelegentlicher Retter mittelmäßiger Darbietungen und künftiger Grund, weshalb dieses Haus irgendwann stolz behaupten wird, es habe mich entdeckt.«
Was August in diesem Waldbereich besonders ins Auge stach, war die relative Häufigkeit von Eiben. Er hatte eine gewisse Sympathie für Eiben, an denen wirklich alles giftig war und hatte mehr als einmal mit dem Gedanken gespielt, eine Eibenhecke um sein kleines Grundstück zu pflanzen – ein Statement, das vermutlich kaum jemand begreifen würde. Dann wiederum würde er sich auch damit abfinden müssen, wenn die eine oder andere streunende Katze das Nervengift aufnahm und deren Gesellschaft machte ihm wenig aus. Von daher blieb die Gifthecke eine Fantasie für schlechte Momente, zumindest fürs Erste.
Wenn er tief einatmete, dann drängte sich der kalte, beinahe scharfe Duft des Winterwaldes auf. Glasklar und gleichwohl Träger für den harzigen Geruch von Nadelbäumen.
Das Umfeld seiner Partnerin zu kennen, war genauso wichtig, wie Iona selbst. Er hatte sich nicht grundlos mit ihr verbündet. Dennoch galt es, vorsichtig zu sein. Sicherlich würde sie ihn dafür einen Kopf kürzen – wenn sie denn in der Lage war, ihn in dieser Höhe zu erreichen.
Schweigen war ein fester Bestandteil der Umgebung gewesen, in der er aufgewachsen war. Kein Wunder, dass er sich zu einem Beobachter entwickelt hatte. Ein Analytiker. So sehr der Drang in ihm brannte, zu verstehen, so sehr brannte auch die Neugier in ihm. Hatte er als kleiner Junge noch von seiner Vorstellungskraft gezerrt, hatte er seit ein paar Jahren den stummen Versuch unternommen, die Geheimnisse seiner Eltern aufzudecken. Denn in einer Sache war er sich absolut sicher: in seinem Elternhaus ging es nicht mit rechten Dingen zu.
„Bei deinem Berufsfeld nehme ich an, dass Roxy ungern von deiner Seite weicht. Es könnten ja Sahnetorten regnen“
Unterdessen war das versteckte Flughörnchen auf dem Regal verzückt. Nathaniel hatte die Frau nicht angeknurrt!
„Wenn Hoffnung so leicht aufrecht zu erhalten wäre, wäre es wohl keine Hoffnung mehr. Es liegt in ihrer Natur ein ewiger Keimling zu sein. Wäre sie mehr, wäre sie schon Revolution und Erkenntnis.“
Es blieb kaum Zeit, tiefer einzuatmen, als die Welt um sie herum bereits in Unschärfe versank. Instinktiv senkten sich ihre Lider und das bekannte Kribbeln in ihrem Bauch breitete sich für wenige Herzschläge über ihre Haut aus. Es erinnerte sie jedes Mal an Asseln, wie sie auseinanderstoben, wenn man einen großen Stein umdrehte und sie damit ihres sicheren Heims beraubte.
Er stellte das Glas ab und verschränkte dann die Arme vor der Brust, das Hemd über die Muskeln gespannt wie immer, als wäre Apollo nicht in der Lage Hemden in seiner Größe zu kaufen.
Es war eine Ästhetik, die sein Herz für einen Moment ruhiger schlagen ließ, ein Ort der Klarheit in einer Welt, die ihm momentan viel zu oft wie ein verschwommenes Aquarell vorkam.
Das Labor wirkte wie eine frisch aufgeschlagene Partitur, weiß und erwartungsvoll, in der jedes Instrument seinen festen Platz besaß.
Das spielerische Feixen verflog sofort, als sie das Papierchen vor ihrer Nase als Ausweis für das Archiv erkannte. Iona schnappte nach Luft, drückte die Zeitungen mit der linken Hand noch stärker an ihre Brust, damit sie mit der rechten Hand danach greifen konnte. Ihr Gesicht hellte sich sofort auf, die Brauen wurden wieder sanft geschwungen, die Haut dazwischen glatt. Ihrer Kehle entfloh ein leichtes Quieken, dann wandte sie sich von ihm ab und inspizierte den Ausweis. „Natürlich…“, selbstverständlich würde sie sich nicht an irgendwelche Regeln halten und alles aus diesem Archiv herausquetschen, was es zu bieten hatte.
Immer noch etwas verschämt musste Lune das Gesicht abwenden. Sicherheit empfand Lune in ihrer selbstgewählten Familie. Egal wie oft Gustave sie vielleicht wahnsinnig gemacht hatte, egal wie oft sie Emma als engstirnig bezeichnet hätte, egal wie oft sie Sciels Wolkenschlösser anzweifeln mochte, in diesem Kreis war sie sicher und geliebt.
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