Alle Inplayzitate
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Die Endgültigkeit mit der Vita ihre Worte in seinen Kopf pflanzte, ihre Schärfe und das Stechen ihrer braun-orangefarbenen Iriden, so durchdringend wie die Farbe ihres Fells, ließen Cassius schwindeln. Es fühlte sich seltsam an. Als verwehrte man ihm den Zugang zu seinem Gehirn, blockiert durch Nebel, so dicht, dass er Gestalt annahm und sich zu Wattetürmen formte, Wachposten aus dichter, weißer Masse, die ihn mit spitzen Speeren zurückstießen.
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Es lag eine Spannung in der Luft, als hätte jemand sie mit einem Zauber getränkt, der Reichtum versprach und Moral abschürfte wie eine hauchdünne Goldschicht.
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Zum Glück sah er nicht zu Juniper. Zum Glück hätte er in der Dunkelheit nicht erkennen können, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten, wie sie auch hier wieder seinem Spiegelbild zu gleichen schien. Er wäre daran zerbrochen, wenn er sich dessen bewusst gewesen wäre. Sämtliche Mauern, die er so kläglich um sich herum errichtet hatte, wären unweigerlich eingestürzt und hätten ihn unter Schutt und Asche begraben.
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Wie viel leichter es doch gewesen wäre, Juniper gegenüber zu stehen, wenn seine Wut auf sie sich nicht wie ein Spiegel angefühlt hätte. Wenn sich diese Wut nicht unweigerlich auch gegen ihn selbst gerichtet hätte. Wenn er sie hätte ansehen können, ohne in ihrem Verrat seinen eigenen zu erkennen.
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Das Wohnzimmer versank in Stille, doch es war keine unangenehme. Es war die Art von Schweigen, in der trotzdem kommuniziert wurde. Alles Gesagte und Ungesagte füllte den Raum zwischen ihnen, riss das Gespräch an sich, als hätte das Schweigen selbst eine Stimme. Eine stumme Verständigung, die keine Gesten und schon gar keine Worte brauchte.
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Birdie verkniff es sich zu sagen: 'Ihre Körpersprache haben Sie dahingegen perfekt dressiert.' Es wäre nicht nur zu direkt, und damit irgendwie unhöflich, sondern auch ein wenig anzüglich gewesen? Jedenfalls färbten sich ihre Wangen alleine bei dem Gedanken, diese Worte laut auszusprechen, zart rosa. Wie unschicklich von ihr, solchen Überlegungen nachzugehen.
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Es war kein Widerstand, den er ihr entgegensetzte, aber auch kein Entgegenkommen. Ein Niemandsland zwischen Abwehr und Zugeständnis — das Terrain, auf dem er sich am wohlsten fühlte.
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Das verriet ihm die Stimme, die jedes Mal, kurz vor seinem Erwachen, erklang. Klar, ruhig, von einer seltsamen Eindringlichkeit durchzogen, als würde ihre Stimme nicht über seine Ohren zu ihm vordringen, sondern direkt ins Zentrum seines Bewusstseins sprechen. Nur ein Satz. Immer derselbe. Immer im gleichen Tonfall.
You will come willingly. ![]()
Die Umgebung erinnerte vage an eine Lagerhalle: hoch, weit, industriell, als sei sie aus Beton gegossen und dann dem Verfall überlassen worden. Rost an Stahlträgern, rissiger Boden, Staub in der Luft, der im schräg einfallenden Licht tanzte wie Asche zwischen zuckenden Flammen eines Lagerfeuers. Es war kein albtraumhafter Ort, nichts, dass ihm eine Gänsehaut über die Glieder kriechen ließ oder seinen Puls in Angst beschleunigte, doch Ruhe strahlte er ebenso wenig aus. Vielmehr lag über allem eine bleierne Ungewissheit, eine angespannte Erwartung, als würde jeden Augenblick etwas geschehen, ohne dass man benennen konnte, was.
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Selbst mit Nicolò an seiner Seite, waren seine Hände blutbefleckt gewesen, sein Körper bereits von Narben verziert, weil er zu lang bereits die tintenschwarze Berührung verbotener Magie zu spüren bekam. Er hatte nie freimütig gelebt, er hatte nie ein leichtes Herz besessen. Selbst liebend war er ein zertrümmerter Mann voller Schwermut gewesen.
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Je mehr sie die Geister der Vergangenheit in ihre Mitte einluden, desto enger schnürte sich Arcturus’ Kehle. Desto mehr fühlte er das Würgen des Poltergeistes, der einst von seinen Schwestern zur Strafe in seine Brust gepflanzt worden war.
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Wie ein Reflex krümmten sich seine Finger auf dem Rücken des Lambs zu Krallen, doch die unangenehme Wahrheit überfiel ihn regelrecht, als er die Augen öffnete: Er würde ihn nicht ewig festhalten können.
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Im Sorcery Spirits allerdings, hatte der Frühling Einzug gehalten. Warm strich er über die Haut des Shepherds, ließ seine Poren prickeln und erfüllte seinen Körper mit neuer Kraft. Vögel zwitscherten in sämtlichen Tonlagen verschiedenste Melodien die ihm zwar unbekannt waren, sich allerdings nie schöner angehört hatten. Er fühlte sich… zuhause. In den eigenen Wänden, die so viele Stunden eher einem kalten, grauen Gefängnis geglichen hatten, brauchte es eine Person, um dieses Gefühl wieder hervorzurufen.
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Er wollte seine Ruhe wahren, weiter seinen Gedanken nachhängen und vielleicht, nur vielleicht, die Finsternis, die sich nicht verdrängen ließ, in Whisky ertränken. Sein Vater wäre sicherlich von Stolz erfüllt, wenn er wüsste, dass er ähnliche Bewältigungsstrategien wie er entwickelt hatte.
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Sein Blick verengte sich in stummem Missfallen, ein offen einsehbares Eingeständnis, dass selbst er Gefühle besaß, die sich hin und wieder nach außen Bahn brachen und seine Gesichtsmuskulatur beanspruchten.
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Trotz der vielen Lichter, die das Wohnzimmer in einen gemütlichen Ort verwandelte, fehlte es dem Haus eindeutig an Persönlichkeit, die es zu einem Heim machten. Es fühlte sich wie ein Ort an, der nicht durch Zuneigung sondern Regeln zusammengehalten wurde. Selbst der Staub wagte wohl nur mit Erlaubnis zu existieren. Und jede Kerze, die nun brannte, jeder penibel ausgerichtete Teppich, jedes lautlose Zischen der Flammen schien ihr zu sagen: Du bist hier nur gerade so geduldet.
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Von Mal zu Mal verschwand Alistairs moralischer Kompass, und er bemerkte nicht, wie egal ihm das alles wurde. Egoismus war, nachdem er all die Jahre als fleißiger Excubitor gearbeitet hatte, neu und aufregend. Es tat gut, sich nicht zu unterwerfen oder nach Regeln zu spielen. Wer hatte die Regeln überhaupt erfunden? Wer bestimmte, was richtig oder falsch war? Alles dehnbare Begriffe.
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"Ich dachte, wir könnten unsere letzte Sitzung fortsetzen. Die letzte endete... sagen wir: abrupt.", sagte sie in einem zuckersüßen Ton, der in der Regel dafür sorgte, dass sie bekam was sie wollte.
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Ihr Blick fiel auf die schwarzen Handschuhen, die seine Finger verbargen. Immer trug er diese Handschuhe, jedenfalls hatte sie ihn bisher nie ohne gesehen. Komische Angewohnheit auch in seinem eigenen Haus welche zu tragen. Was er wohl zu verbergen hatte? Eine hässliche Narbe? Abgekaute Fingernägel? Oder ekelte er sich vor Dreck auf seiner Haut? Nein, so schätzte sie ihn eigentlich nicht ein.
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Birdie hob ihren Kopf, als sich die Tür öffnete und strahlte Corvus Cresswell in sein ausdrucksloses Gesicht. Er stand dort wie ein Schatten in Menschengestalt. Regungslos, als wäre er selbst Teil des Mobiliars. Ausdruckslos wie eh und je. Doch Birdie ließ sich davon nicht beirren.
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"I'm unhappy, Gael." Es war das erste Mal, dass sie diese Worte tatsächlich aussprach. Dass sie ihm ins Gesicht sagte, was schon lange unter der Oberfläche brodelte und was sie doch wegzubeten versucht hatte. Nur dass, kaum dass sie die Worte ausgesprochen hatte, sie ahnte, dass es nichts änderte. Dass selbst dies zuzugeben nichts anderes markierte als ein allumfassendes Versagen, das sie am liebsten nur auf Gael geschoben hätte, von dem sie aber wusste, das es letzten Endes nur auf sie gemünzt werden würde.
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"Why the resignation, love? You've survived worse, way worse." Wie immer, wenn er mit seinen Worten liebkoste, was selten geschah, wurde Arcturus' Stimme leise, wie zu einem murmelnden Bach, in dem sich seine Kraft ertränkte.
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"When I've met you, you were a Gimondi. And when I fell in love with you, you were a Gimondi. When you're dead, you'll be a Gimondi still."
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Zugegebenermaßen stellte sich Arcturus aber auch nicht sonderlich gut darin an. Er war zwar der Vertraute Nicolòs, dessen Partner im Spinnennetz und Geliebter, aber er war kein guter Freund. Er hatte nie gelernt, wie man jemanden mit irgendetwas anderem als Logik besänftigte.
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Er würde ihm immer Zärtlichkeit antun, und eine Welt, in der dies nicht möglich war, war für Arcturus von Jahr zu Jahr schwerer vorstellbar.
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Die Gimondis jedoch waren anders. Sie wachten bereits mit einer Grundwut im Bauch auf, die sich im Laufe eines jeden verdammten Tages nur steigerte und steigerte. Sie hielten sich ungern an Pläne, sie improvisierten ständig, und vor allem provozierten sie jeden anderen Menschen, der es wagte, in ihrer Nähe auch nur einen Atemzug zu tun.
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Bär war allzeit bereit, vor Mira zu springen und Schaden abzublocken, und diese Bereitschaft verdammte ihn zu einer Existenz, die der einer Sprungfeder gleichkam.
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Natürlich war es nichtsdestotrotz kein Vergleich zu den Großstädten außerhalb der Taschendimension, aber jene waren Bär so fremd, dass er sie sich nur im Stellan’schen Maß vorstellen konnte. Drei Stellanse für Birmingham, fünf für London, sieben für New York, zehn für ein mittelgroßes Land …
Die Welt dort draußen war für ihn nur klein-groß und halb-echt. Benjamin Schofield jedoch, ein Produkt eben jener Welt, war vollkommen echt. ![]()
Die Straße war wie ein Fluss und der Fluss war ein Moor und das Moor wollte, dass Velma durch ihre Erinnerung zurück in eine Zeit watete, in der es keinen toten Theodore gab, keine brutal beendete Verlobung, kein in seiner Blüte zertretenes Herz.
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Aber natürlich sah Aurora dies anders. Natürlich musste sie dieses Glas nun nutzen, um ihm sein Versagen als Ehemann und Vater vorzuführen. Natürlich genügte ihr dieses Glas als Fehler, um alles, was er je für sie getan hatte, zu entwerten.
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