Alle Inplayzitate
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Dass Agnessa ebenso, wenn nicht sogar mehr, ihr Fett weg bekam, fiel ihr nicht sonderlich auf. Wieso auch? Agnessa war schon immer der Boxsack aller gewesen, das war nichts Neues, sondern sorgte für ein gesundes Klima zwischen den Geschwistern und war vermutlich das Einzige, auf das sie sich einigen konnten.
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Wie abgesprochen und doch typisch in spontaner Fedorov-Manier, verteilten sich die Geschwister im Raum. Pavla und Maksim saßen, Miron befummelte seine Kamera, und dann tauchte Agnessa auf und begrüßte sie so förmlich, als befände sie sich auf einem offiziellen Staatsbesuch.
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Zugleich war es beruhigend, dass unter den Geschwistern immerhin alles beim Alten war. Kaum betrat Maksim den Raum, verbreitete er mit seinem zehn-Jahre-Verstopfung Gesichtsausdruck auch schon eine herrlich familiäre Stimmung.
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Ihre zahlreichen Nichten und Neffen waren schlussendlich auch noch da, auch wenn sie glaubte, dass das Affenhaus im Zoo weitaus weniger anspruchsvoll und intrigant war. Was man nicht alles für die Liebe seiner Eltern tat. Oder um ein Stückchen vom Kuchen zu bekommen.
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elbst wenn Polina sich denken konnte, dass wohl etwas gewaltig im Argen sein musste, so lang wie sich ihre Mutter bereits in Leningrad verkroch wie eine schmollende Muschel, konnte sie sich nur schwer vorstellen, dass sie den Geburtstag ihres Ehemannes verpassen würde. Wenn ihr irgendetwas von Bedeutung war, dann doch der Schein. Innerlich konnte alles noch so verrottet sein — solange es außen glänzte, war es gut genug.
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In Bärs gewundenem Denken machte es wenig Sinn, dass er mit einem Mal Sympathie für den vor sich sitzenden Mann empfand, und doch war es so. Die Nervosität des anderen wurde zu seiner eigenen. Seine starre Verhaltenheit spiegelte sich in ihm wieder. Er wünschte, er könnte irgendetwas sagen, das beschwichtigte oder unverwerflich war, aber Bärs Zunge war wie verknotet.
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. Sein Blick erschien vielleicht etwas weicher als er zu Polina und Pavla sah. Seinen Mädchen war er stets zugeneigter gewesen, obwohl es nur seine Söhne waren, die ihn tatsächlich interessierten.
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Selbst an diesem Tag mangelte es seinem Blick an Wärme, an Zuwendung, selbst an Freude. Einen nach den anderen nahm Czar ins Visier, wobei er Agnessa überging.
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Maksim und Miron nickte er wohlwollend entgegen, während es Yekaterina war, die er zuletzt ansah und bei deren Anblick sich seine Lippen tatsächlich zu einem knappen Lächeln hoben. Er mochte seine älteste Tochter nicht.
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Er musste den Salon noch nicht einmal betreten haben, um zu wissen, wie seine verweichlichten Abkommen sich an diesem Tag quälen und zieren würden, ihm ins Gesicht zu lächeln während sie darauf warteten wieder gehen zu dürfen.
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Czar war stolz, aber nicht eitel. Er war arrogant genug, um die blumigen Glückwünsche und Huldigungen für angemessen zu halten, aber er war nicht blind für das Speichellecken, für die falschen Schmeicheleien und die dumpfen Oberflächlichkeiten. Es war ermüdend und ernüchternd am eigenen Geburtstag daran erinnert zu werden, wie sehr er umgeben, nahezu umzingelt von Stiefelleckern und Schlangen war. Der bitterer Teil dieser Wahrheit war, dass seine Kinder davon keine Ausnahme waren.
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”Ich weiß, dass das eigentlich nicht zusammenpasst, aber …” Niemand brauchte einen nicht-magischen Tischler in Stellans. ”Ich trinke gerne Tee”, und wenn das kein Argument dafür war, dass er der perfekte Mann war, um in einer Teestube zu arbeiten, dann wusste er auch nicht weiter.
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Und für einen Augenblick sah er selbst überrascht drein, weil ihm klar wurde, dass er das zum ersten Mal gesagt hatte. Meine Tochter. Mira war seine Tochter. Er war ihr Vater.
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Bär bevorzugte das Dasein als stiller See, während der Mann vor ihm schien, als sei er ein schneller Strom, der kleinere wie auch größere Steine mit sich riss und bei schlechtem Wetter anschwoll und über die Ufer lief, alles mit sich reißend.
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Teresa war eine selbstständige Frau, doch der Bruch mit der Famiie…der übrigen Familie, wäre wie das Salz in der Wunde, gebrochene Spagetti und Ananas auf einer köstlichen Pizza. Eine Schande.
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Ein zartes Pflänzchen konnte einem anderen zarten Pflänzchen niemals beistehen. Das würde nur in Tränen und ohne Lösungen enden. Agnessa musste lernen, mehr als nur ein zartes Pflänzchen zu sein, sonst würde Arturo sie noch weiter aus dem Boden reißen und entwurzeln. Agnessa musste lernen, etwas mehr wie Katya zu sein.
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„Agnessa, du brauchst unbedingt einen neuen Kleiderschrank. Du verschwindest ja förmlich in dieser Farbe.“ Ihr war bewusst, dass das wohl genau Agnessas Vorhaben war. Aber die ältere Schwester hatte sich vorgenommen, das Mädchen aus ihrem Schneckenhaus hervorzulocken.
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„Fangen wir dem Sticheln schon an, bevor Vater überhaupt im Raum ist?“ Ihre Stimme theatralisch tadelnd, aber offensichtlich Nikolajs Ton imitierend.
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Doch so stand sie nur da und dachte nach, was eigentlich unheimlich großzügig von ihr war [...]
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Stattdessen hatte er von Maksim eine übergezogen bekommen. Stattdessen hatte er seinen besten Freund verloren — oder eher hatte Maksim ihm die Freundschaft gekündigt, hatte ihm geklaut, was rechtmäßig Eliyas zustand, wie als wäre ihre Freundschaft auf einem Geschäft begründet, das sie noch in Windeln getätigt hatten.
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Besser wäre noch gewesen, sie wären alle nach ihrer Mutter geschlagen; willensstark und erfolgreich, aber auch kalt wie der russische Winter. Hauptsache, sie kamen nicht nach Agnessa.
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Sie musste ihn zu Beginn für einfältig gehalten haben. Dieses Vorurteil hatte er schon oft gehört. Oder aber Menschen fanden ihn faszinierend, weil er den „American Dream“ aufgegeben hatte. Für den Magier schien das Leben hier ein besserer Traum zu sein.
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Aber so wie Maksim aussah, bezweifelte er, dass eine Frau ihn in seine Nähe gelassen hätte, mal von einer Prostituierten abgesehen. Aber selbst jene besaßen Standards, zumindest Eliyas’ Auffassung nach.
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Katya, genauso wie der Rest der Familie, war kein Unmensch und nicht gefühlstot. Sie liebte ihre Geschwister, völlig egal, ob sie ihnen manchmal in Gedanken den Hals umdrehte oder gerade in ihrer Zeit als Ballerina wochenlang nichts von sich hören ließ, weil sie sich lieber im Bolshoi-Theater abgerackert hatte, fernab der Familie, ausgelassen und zügellos, und gleichzeitig verletzt und weggeworfen wie ausrangierte Ballettschuhe.
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Sie tippte einfach darauf, dass es das war, dass Eliyas ihr am Tag zuvor erzählt hatte. Auch wenn sie Maksims Reaktion auf so eine Unsinnigkeit ziemlich heftig fand. Aber sie wollte es aus seinem Mund hören, nur damit sie ihn danach mit einem Fingerzeig auslachen konnte.
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Er war schon immer Experte darin gewesen, sich ausgerechnet nach der Nähe zu sehnen, die von einer zur Faust geballten Hand gebracht wurde. Sie schmeckte zu gut; sie fühlte sich an, wie als müsse er sie sich nicht erst verdienen; sie gehörte ihm, ohne dass er etwas dafür tun musste. Sie war die einfachste Form der Zuneigung, und von Maksim war sie momentan vermutlich alles, was er zu erhalten hoffen konnte.
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Maksim hatte Mist gebaut. Auch wenn er sich der genauen Ausmaße noch nicht bewusst war, konnte er es in den minimal in die Höhe gezogenen Mundwinkeln seines Vaters sehen, die dazu gemacht worden waren, Welten zu zerstören.
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Aufrecht, als würde er sich nicht viel lieber trotz seiner langen Beine so klein wie möglich machen wollen, lehnte er sich mit dem breiten Kreuz gegen die Rückenpolster und widerstand dem Drang, dem Blick seines Vaters auszuweichen. Nikolay wäre ihm nicht ausgewichen.
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Katya nahm wieder ihren Flachmann in die Hand, nahm einen Schluck, und legte dann – Maksim immer noch eindringlich musternd – den Kopf schief. Bis auf seine Haarfarbe war Maksim wirklich nicht sehr helle.
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So mancher hätte seine Angst sicherlich auf den Mann geschoben, welcher vor ihm stand und so breit gebaut war, wie ein Bär, welcher einen innerhalb kürzester Zeit mit seinen Pranken in zwei reißen konnte, aber Benjamin hatte schon schrecklichere Dinge gesehen, als einen Mann, der zum Frühstück eine ganze Bäckerei verputzen konnte.
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