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Es war nicht so, wie Maksim dachte. Eliyas waren seine Freundschaften heilig, Maksim war ihm heilig, aber die Anstrengung, die es ihn kostete, nicht damit herauszuplatzen, dass er nie richtig geliebt hatte, nur hoffnungsvoll und verquer, im Glauben, er könne dadurch jeglichen Gedanken an Maksim abschütteln, verhinderte dass er überhaupt etwas sagen konnte.
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Maksim Fedorov machte in diesem Augenblick vor allem eines deutlich: Er wollte in den Ring steigen und sich wahrhaftig prügeln; er wollte ihn mit sich in einen Sumpf ziehen, von dem Eliyas, der stets vornehmer tat als er seiner Herkunfts wegen war, sich abgestoßen fühlte.
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Eine stumme Hoffnung regte sich auch jetzt noch in Eliyas — egal, wie unsinnig es auch war, hoffte er, dass Maksim doch noch lachte und alles wieder wie immer wäre. Oder vielleicht hoffte er auch, sie könnten sich beide am Riemen reißen und so tun als ob es das wäre, auch wenn die Wahrheit wie stinkender Schwefel in der Luft lag.
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Oh, ja, wie konnte der Fedorov ihm das nur antun. Er sollte sich wahrlich schämen und am besten um Vergebung flehen, indem er ihm schwor, für den Rest seiner Tage sicherzustellen, dass auch ja kein hässlicher Fussel auf seinem Anzug zu finden war oder seine Schuhe an Glanz verloren, denn wer wusste schon, in was für eine Trauer Eliyas verfallen würde, ohne seine persönlichen Speichellecker an seiner Seite.
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Er konnte sich die Nächte in irgendwelchen Spelunken von Stellans um die Ohren schlagen, sich wortwörtlich mit anderen schlagen und einen Rekord aufstellen, wenn es darum ging, in möglichst kurzer Zeit Unmengen an Whiskey seinen Rachen hinab zu kippen - wenn ihn die Morgendämmerung zurück in das Anwesen der Fedorovs schwanken ließ und er die endlos erscheinende Treppe hinauf erklommen und es bis in sein Zimmer geschafft hatte, verirrten seine Gedanken sich dennoch immer wieder zu Eliyas.
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Katya war also wieder in Stellans. Interessant aber nicht interessant genug, um ihm mehr als einen kalten Spruch zu entlocken: ”Und? Hast du ihr zur Begrüßung auch eine übergezogen?”
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”Unerhört. Die können es sich wohl leisten”, erwiderte Jamie leidenschaftslos auf die Aussage seiner Schwester die Hudsons betreffend. Er konnte sich nicht für das Geschwätz der Nachbarschaft begeistern, auch wenn er aufgrund von Loris detaillierten Geschichten über Familien wie die Hudsons oder Ehepaare wie die Bellingtons gezwungenermaßen stets gut informiert war.
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Seit Wochen wollte James seine jüngere Schwester schütteln, wollte ihr dieses perfekte Lächeln aus dem Gesicht wischen, damit sie zugab, dass sie ihn nicht wiedererkannte und dass er verändert war und dass einfach nichts an ihm mehr in ihr Leben passte. Aber er tat es nicht, sondern quälte sie beide damit, dass er genauso sehr wie sie tat, als wäre überhaupt nichts.
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Ja, das hier war ihre ganz eigene Hölle. Eine Hölle mit weißen Theken und Schränken, mit klassisch mintfarbenen Absetzungen an den Rückwänden der Küchentheken und dem Türrahmen. Die meisten Nachbarn hatten ähnliche Küchen. Es war gerade in Mode. Aber manchmal machte sie das Mintgrün wahnsinnig.
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Aber anstatt ihnen beiden den Gefallen zu machen und sich umzudrehen und ohne ein weiteres Wort an den anderen zu richten, welcher selbst Benjamin gegenüber so wirkte, als hätte er vergessen, dass man irgendwann auch aufhören musste, zu wachsen, vergrub er nun die unruhigen Hände in den Hosentaschen.
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Die Männer hatten in der Küche nichts verloren, sie störten nur mit ihren wenig geistreichen Kommentaren und – weitaus schlimmer – ihren ungefragten Tipps.
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James war ungreifbar für sie geworden. Er war eine quälende Erinnerung geworden, eine Vergangenheit, die in ihr lebte und starb - eine Fäulnis, so süß sie auch war, sie verrottete in ihr.
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Dabei besaß ihre Verwandtschaft mit den Falkenrathas für Polina durchaus einen verbotenen Reiz, dem sie vielleicht nachgegeben hätte, wenn Zenaida nicht so schön gewesen wäre, wobei das Hässliche an ihr war, dass sie dies wusste.
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Schüler, die sich heimlich am juckenden Hintern kratzten, zählten da ebenso sehr dazu wie strebsame Streber (mit Ausnahme ihrer Zwillingsschwester) oder die bübischen Sportskanonen mit den zu kurzen Shorts und dem zu lockeren Umgang mit der Ringelnatter, die unter dem Stoff hin und her flappte wie ein nach Luft schnappender Fisch.
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Er nahm es mit noch weniger Fassung als Zenaida – und eine kleinlaute Stimme in ihrem Kopf fragte sich, ob das überhaupt möglich war.
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Die meisten Namen ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen waren ihr entgangen, aber über die Heulsuse des Jahrzehnts hatte sie sich besonders oft lustig gemacht und entsprechend hatte sich sein Name bei ihr eingebrannt. Der Blonde sah aus, als ob er sich jeden Moment übergeben würde. Hauptsache nicht auf Zenaida oder ihre Schuhe.
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Mit solchen Dingen war sie noch nie konfrontiert worden. Sonst hieß es immer nur, Zenaida Blum, ich will sein wie sie, Zenaida Blum, wie kann man nur so hübsch sein, Zenaida Blum schafft sogar Bestnoten zu halten… Die Zeiten waren jetzt wohl vorbei.
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Zenaida Blum war durchgefallen, Zenaida Blum musste das Jahr wiederholen, Zenaida Blum hat endlich bekommen, was sie verdiente.
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Sein Blick flackerte kurz zu Koshka, der zwischen ihnen beiden herumwuselte, und kurz wünschte er sich, der Husky würde mal auf die Idee kommen, die nervige Motte zu jagen oder zu fressen… Aber auf eine solch grandiose Idee schien Maksims Familiar nicht zu kommen, selbst wenn er Eliyas, der das Schlehengeistchen manchmal regelrecht unerträglich fand, damit einen Gefallen getan hätte.
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Der Schmerz war so eindringlich, dass er zu schwer auf einmal zu fühlen war. Aber er stolperte von der Wucht einen Schritt zurück, sein Kopf ging unangenehm nach hinten; kein Ausweichen, ein schmerzerfülltes Empfangen. Wie erbärmlich, dass er sich wünschte, Maksim würde direkt noch einmal zuschlagen. ”Danke”, nuschelte er ominös.
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Nein, das hier ist nur ein kleiner Streit, redete sich Eliyas ein. Dass sein Familiar bei dem Gedanken leise hüstelte und das fühlt sich aber gar nicht danach an behauptete, wies er vehement von sich.
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Trotz dass Maksim ihm keinerlei Aufschluss über seine Laune gab, glaubte Eliyas jedoch nicht daran, dass dies das Ende ihrer Freundschaft war. Er wusste aus Erfahrung, dass Maksims Launen wieder verflogen, wenn man ihm genug Raum und Zeit gab, um über alles nachzudenken — nur geben wollte Eliyas ihm weder das eine, noch das andere.
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Gerade wollte Eliyas Maksim einfach nur an die Wand klatschen. Wenn die Vorstellung für ihn nicht so absurd wäre, seinen besten Freund mit dem breiten Kreuz einfach am Kragen anzuheben und gegen das nächste Schaufenster zu schubsen, hätte er es vielleicht sogar versucht.
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Wut darauf, dass er nicht einmal mehr wusste, wie er Briefe an seine Eltern, an seine Freunde, oh, vor allem aber an Maksim, schreiben sollte, die nicht zensiert werden würden. Wut darauf, dass seine Gedichte sich formlos und nackt anfühlten und er sie nicht genoss, sondern selbst verachtete.
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Ihr einen Wunsch abzuschlagen fiel vielen nicht so leicht, doch bereits damals in der Schulzeit hatte Maxi nicht unbedingt zu ihren Verehrern gezählt. Lustig war dabei, dass Selena versucht gewesen war mit ihm anzubändeln, eigentlich aus dem exakt gleichen Grund, aus dem sie nun mit seinem Vater eine Affäre führte: Er war ein Fedorov und entsprechend reich, also damit ganz automatisch eine gute Partie.
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Sie berührten einander nicht. Nicht wirklich. Nur mit Ellbögen, die man mal in die Seite rammte, oder einem Klaps auf den Hinterkopf. Eliyas hatte regelrecht Angst davor, Maksim könnte ihn doch irgendwann einmal in eine Umarmung ziehen. Was, wenn dann alles aus ihm herauspurzelte, was er jahrelang tief in sich vergraben hatte? Was, wenn Maksim spürte, wie er sich verspannte aber sich dann so nah an ihn drückte, so verräterisch nah, dass er sofort wusste: Mein bester Freund ist in mich verliebt.
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Mehr noch als Eliyas Familiar, war Maksim die Stimme der Vernunft in seinem Kopf. Manchmal so lästig, vor allem wenn er das Gefühl hatte, sie riefe ihn heim und rede ihm ins Gewissen. Heute fühlte er sich dieser Stimme nicht nah, heute war sie so weit weg wie Maksims Blick, der irgendwie immer und überall war, nur nie dort, wo Eliyas ihn haben wollte: auf sich. Immer auf sich.
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"Ich komm mit."
Keiner der anderen Anwesenden schien überrascht darüber zu sein, wie als könnten sie sich nicht vorstellen, dass Eliyas sich nur anbot, weil er vor Wut schwelte und Maksim auf dem Weg zu Rousseaus Wohnung in den nächstbesten Fluss stürzen wollte. ![]()
Polina hatte den elendigen Starrsinn ihrer Mutter geerbt, aber es mangelte ihr an ihrem unverwundbaren Ehrgeiz. Sie war nicht so sanft und lieblich wie ihre Zwillingsschwester, sie war störrisch und faul. Und das bewies sie ihm in lächelnder Dreistigkeit, indem es ihr als erste und einzige der Geschwister gelungen war, den Abschluss in Adamas zu vergeigen.
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"Sei vorsichtig, Rousseau"; samtweich, gefährlich, die Stimme lauernd während sich ein Lächeln wie das Zähnefletschen eines in die Ecke gedrängten Tieres auf Eliyas Lippen ausbreitete. "Oder ich erinnere alle daran, wie du im ersten Jahr rumgelaufen bist. Glaub mir, ich hab die von Mami gestrickten Unterhosen nicht vergessen."
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