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Schneeflocken fallen vom Himmel. An manchen Tagen schmeckt die Luft, wenn sie fallen, nach verbrannter Asche, die vom Himmel rieselt. An manchen Tagen ist die Stille so laut, dass sie das Trommelfell beinahe zum Platzen bringt, und die Sonne so grell, dass sie sich instinktiv abwenden und zusammenkrümmen will. An manchen Tagen, wenn sie über die Vernarbungen in ihrem Gesicht fährt, beginnen sie wieder zu brennen – ohne wirklich zu brennen. Und an manchen Tagen bahnt sich das Feuer der Panik durch ihre Adern, ohne dass sie eine Chance hat, es mit Wasser zu löschen.
Dabei wusste er selbst nicht, wie er es hätte in Worte fassen sollen. Wie beschrieb man diese Leere? Dieses Gefühl? Wie erklärte man, dass einen selbst das Atmen manchmal überforderte? Dass es Tage gab, an denen man nichts weiter tun konnte, als aus dem Fenster zu starren und zu hoffen, dass der nächste Tag leichter wird? Dass man nicht aufstand, weil man faul war, sondern weil das Aufstehen selbst wie ein unüberwindbares Hindernis erschien?
Es war nicht nur Müdigkeit. Nicht einfach ein anstrengender Tag oder die übliche Erschöpfung, wie sie jeder kannte. Was Arvin durchfuhr, war dichter, wie ein zäher Schleier aus Wachs, der sich über seinen Geist gelegt hatte und alles in dumpfes Grau tauchte. Eine lähmende Trägheit, die sich nicht abschütteln ließ.
„Du hast mir nicht gewunken, als du mich gesehen hast.“ Himmel, er fühlte sich erbärmlich, während diese Worte über seine Lippen kamen – als ob er ein kleines Kind war, das ignoriert worden war und sich nun verletzt, gar beleidigt fühlte.
Percy folgte dem Blick des Lambs hoch zur Decke und konnte es nicht verhindern, dass tatsächlich so etwas wie ein Lächeln auf seinen Lippen erschien. Wunderschöne Kunst löste so etwas eben in ihm aus.
Dieser Arvin, der ihm nun gegenüberstand, wich von der Norm ab und es war komisch, fühlte sich nicht richtig an. Irgendwas war falsch, irgendwas war nicht in Ordnung. Und ja, wieso juckte es Percy überhaupt? Wieso machte er es zu seinem Problem? Die Antwort wusste er selbst nicht und wenn doch, schob er sie ganz weit weg von sich, versteckte sie in einer Truhe weit in seinem Hinterkopf, warf den Schlüssel weg und ignorierte sie gekonnt.
„Es sind die kleinen Dinge, die am glücklichsten machen, finde ich. Die Alltäglichen. Nicht die großen Momente und Gesten, die alles verändern, sondern die leisen, unscheinbaren, die einem das Herz ein bisschen leichter machen, ohne dass man es sofort bemerkt — weißt du?“
„Was macht dich glücklich?“ Eine andere Frage diesmal. Eine, die Arvin ganz anders beantworten konnte. Er lachte leise, ein warmes, raues Geräusch, das der Wind mit sich trug. „Oh, da gibt es vieles“, antwortete er sofort, ohne zu zögern. „Zeit mit der Familie“, begann er aufzuzählen, „Abende auf der Veranda, wenn die Luft noch warm vom Tag ist.“ Ein leises Schmunzeln bildete sich auf seinen Lippen. „Gartenarbeit. Den Duft von frischer Erde an den Fingern zu haben. Meine Freunde — die alten und die neuen. Diese Ruhe am frühen Morgen, wenn die halbe Welt noch schläft.“
In dieser Stadt waren Uniformen keine Kleidung, sondern Erklärungen. Statements. Drohungen. Erinnerungen daran, wer die Macht hatte und wer sie nur zu erdulden hatte. Und Arvin hatte sich nie zur richtigen Seite zählen können.
Sie hatten nie wirklich miteinander gesprochen. Zwei Jahre vielleicht auf derselben Schule verbracht, irgendwann mal zusammen in einem langweiligen Kurs gesessen, wo sie mehr an die verregneten Fenster gestarrt hatten als an die Tafel. Aber das war es auch schon. Keine Briefe, keine losen Versprechen, keine gemeinsamen Erinnerungen, die man aufpolieren könnte wie altes Silber. Zehn Jahre und nichts dazwischen.
Klang einfach. Klang harmlos. Aber Arvin wusste es besser. In ihrer Welt war im Grunde gar nichts einfach, geschweige denn harmlos.
Stattdessen zwang er ein Grinsen in sein Gesicht, stützte die Wange auf seine Hand, während er Mairi dabei zusah, wie diese nun geschickt über Velmas Finger kletterte, als sei ihre Zuneigung eine Trophäe, die es wert war, vorgeführt zu werden.
Das Räuspern, das sie noch hinterherschob, war zu gezielt, um nur ein simples Räuspern zu sein — es wirkte wie eine Klammer um die unausgesprochenen Worte.
Durch den Laden zu navigieren, während Hamlet sein Unwesen trieb, glich einem Slalomlauf. Die Ziege benahm sich wie eine überdimensionale Katze mit Hörnern, stellte sich demonstrativ in den Weg und schien regelrecht auf eine Gelegenheit zu lauern, jemanden zu Fall zu bringen.
Bisher konnte ich meine merkwürdige Popularität dazu nutzen, sie zum Lernen zu animieren.
Hätte er das Talent eines Poeten besessen, vielleicht hätte er Cassius' Blick mit einem Meer verglichen, das nach einem Sturm zur Ruhe kam — wenn das Grau der letzten Gewitterwolken sich noch in den Wellen spiegelt, während erste Lichtstreifen den Horizont berühren. Eine Farbe, die nicht standhielt, die sich mit der Zeit, mit dem Licht, mit der Stimmung veränderte. Doch Arvin war kein Poet.
Denn Joaquin war schon lange ein Wunder Punkt bei ihm. Alles in ihm schrie danach, zumindest einmal mit seinem jüngsten Bruder richtig den Boden aufzuwischen.
"Wirklich, Joaquin? Nach all den Jahren schmollst du immer noch wie ein kleines Kind darüber, dass deine großen Brüder nicht mehr Zeit mit dir verbringen konnten? Werd endlich erwachsen."
Letztlich hatte sie Venus, trotz der anfänglichen Abneigung gegenüber des lächerlichen Namens, näher kennengelernt und in den Mundwinkeln ihres unschuldigen Lächelns einen scharfen Verstand und Spott gefunden; eine Kombination, die sie so interessant fand, dass sie genauer hinsehen wollte.
Schroff. Das waren die Worte manchmal, wenn sie Cassius' Lippen verließen. Irgendwo zwischen herausfordernder Konfrontation und unhöflicher Direktheit, mit der nicht jeder warmzuwerden wusste. Manch einer fühlte sich davon schnell vor den Kopf gestoßen — eine Wirkung, die, wie Arvin wusste, oft gezielt heraufbeschworen wurde, denn seine Mitmenschen hielt der Shepherd lieber auf kühler Distanz. Möglichst weit weg von sich, bloß nicht zu nah. Doch über die Jahre, die sie einander nun schon kannten, hatten die bedachten und unbedachten verbalen Hiebe ihre Reißzähne eingebüßt. Da zwickte nichts mehr, wenn die Stimme etwas trockener, etwas abweisender wurde. Da war kein Gefühl von Verunsicherung, wenn man sich insgeheim fragte, was man falsch gemacht hatte, um solch eine Reaktion provoziert zu haben.
Noch nie hatte sich der Herbst so lang angefühlt. Noch nie hatte er so wenig Lust auf den Winter verspürt. Er mochte das Gefühl nicht, das da in seiner Brust heranwuchs und auf seine Lunge drückte, wie ein tödliches Geschwür. Es fühlte sich kalt und erdrückend an und gleichzeitig — irgendwie leer. Seine Augen kletterten hinauf zu der dunklen Wolkendecke, die sich über Stellans spannte. Trist. Natürlich.
Doch dann nickte der Mann hinter dem schweren hölzernen Schreibtisch, schlug ein dickes Buch auf, das wie ein stiller Beobachter die Geschichte derer festhielt, die bereits vor ihm hierher gekommen waren, und legte die unterschriebene Zeugenaussage hinein.
Schließlich schob er das Schriftstück zurück über den Tisch, damit der Beamte noch einmal einen prüfenden Blick darauf werfen konnte, der beinahe so lange auf das Geschriebene gerichtet war, dass Arvin sich unweigerlich die Frage stellte, ob er seinen eigenen Namen vielleicht falsch geschrieben hatte.
Wieso findest du’s bei Mairi liebenswert und bei Arvin nervig?, schaltete sich Biscuit schließlich ein, woraufhin Percy irritiert seinen Familiar ansah. Hä?? Die beiden konnte man doch gar nicht miteinander vergleichen! Mairi war süß, während Arvin immer aufdringlich gewesen war und nie locker gelassen hatte, egal, wie oft er ihm die Bücher aus der Hand geschlagen hatte. Was fiel seinem Familiar nur ein, hallo?!
Ich bin lieber in der Zeitung als dass ich daran arbeite.
Zu schade, dass ich nicht dein Gesicht gesehen kann, wenn du diesen Brief liest. Ich hätte zu gern gesehen, wie dir die langweilige Beherrschung aus den Zügen entgleitet.
Es war, als wäre er zwischen zwei Welten gefangen: die sanfte Wärme seiner Mutter, die ihm erlaubte, weich zu sein, und die unnachgiebige Härte seines Vaters, der von ihm verlangte, dass er sich durchsetzte, dass er nie einknickte und Haltung bewahrte.
So eine Puppe hatte keine Persönlichkeit. Verlor Zenaida gerade ihre? Weil sie nicht mehr erfolgreich war, weil sie ihre Freund:innen nicht mehr hier hatte? Wer war sie jetzt? Eine Versagerin. Dieses Geständnis, nicht mehr gesehen werden zu wollen, inmitten hungriger Augen, die sich an ihrem Sturz nicht sattsehen können, wog schwer.
Wenngleich die Offenbarung ihrer Unsicherheit für die eine oder andere Person nichtig oder kleingeistig wirken mochte, schien sie Zenaida gar selbstzerstörerisch zu sein. Es kam ihr vor, als würde sie ihr sorgsam aufgebautes Image der unantastbaren Königin selbst demontieren, wie eine Schaufensterpuppe, die man auseinandernahm, um ihr den neuesten Modetrend überzustülpen.
Dann tat sich ihm auch noch die Frage auf, wer zur Hölle Mairi war und welchen Kunden sie belästigte, denn er konnte es nicht sein. Er fühlte sich alles andere als belästigt (außer vielleicht von Arvin sorry), aber außer ihm befanden sich keine anderen Kunden im Laden.
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