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Alle Inplayzitate
Durch den Laden zu navigieren, während Hamlet sein Unwesen trieb, glich einem Slalomlauf. Die Ziege benahm sich wie eine überdimensionale Katze mit Hörnern, stellte sich demonstrativ in den Weg und schien regelrecht auf eine Gelegenheit zu lauern, jemanden zu Fall zu bringen.
Bisher konnte ich meine merkwürdige Popularität dazu nutzen, sie zum Lernen zu animieren.
Hätte er das Talent eines Poeten besessen, vielleicht hätte er Cassius' Blick mit einem Meer verglichen, das nach einem Sturm zur Ruhe kam — wenn das Grau der letzten Gewitterwolken sich noch in den Wellen spiegelt, während erste Lichtstreifen den Horizont berühren. Eine Farbe, die nicht standhielt, die sich mit der Zeit, mit dem Licht, mit der Stimmung veränderte. Doch Arvin war kein Poet.
Denn Joaquin war schon lange ein Wunder Punkt bei ihm. Alles in ihm schrie danach, zumindest einmal mit seinem jüngsten Bruder richtig den Boden aufzuwischen.
"Wirklich, Joaquin? Nach all den Jahren schmollst du immer noch wie ein kleines Kind darüber, dass deine großen Brüder nicht mehr Zeit mit dir verbringen konnten? Werd endlich erwachsen."
Letztlich hatte sie Venus, trotz der anfänglichen Abneigung gegenüber des lächerlichen Namens, näher kennengelernt und in den Mundwinkeln ihres unschuldigen Lächelns einen scharfen Verstand und Spott gefunden; eine Kombination, die sie so interessant fand, dass sie genauer hinsehen wollte.
Als sähe Arvin ihn als einen Stadtmenschen - und was hatte er getan, um plötzlich eine Beleidigung zu verdienen? Konnte er ihn, wenn unbedingt notwendig, nicht einfach als Arschloch bezeichnen?
Das Feld auf dem er sein Interesse gegenüber Menschen säte war ohnehin unfruchtbar.
Dem Gefühl der Wut hatte er lange abgeschworen. Zumindest hatte er das geglaubt. Gleichgültigkeit, das war es, woran Cassius sich klammerte, seit… er wusste es nicht einmal mehr genau. Seit vielen Jahren. Wut ließ ihn impulsiv werden und wohin ihn dieses Gefühl zerrte, hatte er bereits ausreichend feststellen dürfen. Wut machte ihn angreifbar. Und im Fall der Fälle wollte nicht er derjenige sein, der sich zu verteidigen hatte. Er war die Offensive.
Schroff. Das waren die Worte manchmal, wenn sie Cassius' Lippen verließen. Irgendwo zwischen herausfordernder Konfrontation und unhöflicher Direktheit, mit der nicht jeder warmzuwerden wusste. Manch einer fühlte sich davon schnell vor den Kopf gestoßen — eine Wirkung, die, wie Arvin wusste, oft gezielt heraufbeschworen wurde, denn seine Mitmenschen hielt der Shepherd lieber auf kühler Distanz. Möglichst weit weg von sich, bloß nicht zu nah. Doch über die Jahre, die sie einander nun schon kannten, hatten die bedachten und unbedachten verbalen Hiebe ihre Reißzähne eingebüßt. Da zwickte nichts mehr, wenn die Stimme etwas trockener, etwas abweisender wurde. Da war kein Gefühl von Verunsicherung, wenn man sich insgeheim fragte, was man falsch gemacht hatte, um solch eine Reaktion provoziert zu haben.
Cassius spürte die Kälte kaum, die sich trotz Mantel und einem ungewöhnlich farbenfrohen, dunkelblauen Schal zu ihm durchfraß.
Zu diesem Schluss würden wohl auch Good Cop und Bad Cop kommen, die ihn dort hinter verschlossenen Türen befragten, nur um zu klein geratene Genitalien zu kompensieren.
Noch nie hatte sich der Herbst so lang angefühlt. Noch nie hatte er so wenig Lust auf den Winter verspürt. Er mochte das Gefühl nicht, das da in seiner Brust heranwuchs und auf seine Lunge drückte, wie ein tödliches Geschwür. Es fühlte sich kalt und erdrückend an und gleichzeitig — irgendwie leer. Seine Augen kletterten hinauf zu der dunklen Wolkendecke, die sich über Stellans spannte. Trist. Natürlich.
Doch dann nickte der Mann hinter dem schweren hölzernen Schreibtisch, schlug ein dickes Buch auf, das wie ein stiller Beobachter die Geschichte derer festhielt, die bereits vor ihm hierher gekommen waren, und legte die unterschriebene Zeugenaussage hinein.
Schließlich schob er das Schriftstück zurück über den Tisch, damit der Beamte noch einmal einen prüfenden Blick darauf werfen konnte, der beinahe so lange auf das Geschriebene gerichtet war, dass Arvin sich unweigerlich die Frage stellte, ob er seinen eigenen Namen vielleicht falsch geschrieben hatte.
Denn seine Heimat war nicht nur ein Land, nicht nur ein Küstenort und nicht nur der besondere Klang englischer Worte – es waren auch, oder vor allem, Personen, die nun nicht mehr in seinem Leben weilten und ohne die selbst die schönste Umgebung der Welt ein klein wenig grauer wirkte, das Schreien der Vögel ein wenig dumpfer, die Herzlichkeit der Iren ein wenig reservierter.
Das Kreischen der Möwen wich dem etwas sanfteren Klang kleinerer Vögel, die Arvin sicher benennen konnte, für Cassius in diesem Moment allerdings nichts weiter verkörperten als kleine, namenlose Instrumente der Natur.
Wieso findest du’s bei Mairi liebenswert und bei Arvin nervig?, schaltete sich Biscuit schließlich ein, woraufhin Percy irritiert seinen Familiar ansah. Hä?? Die beiden konnte man doch gar nicht miteinander vergleichen! Mairi war süß, während Arvin immer aufdringlich gewesen war und nie locker gelassen hatte, egal, wie oft er ihm die Bücher aus der Hand geschlagen hatte. Was fiel seinem Familiar nur ein, hallo?!
Ich bin lieber in der Zeitung als dass ich daran arbeite.
Zu schade, dass ich nicht dein Gesicht gesehen kann, wenn du diesen Brief liest. Ich hätte zu gern gesehen, wie dir die langweilige Beherrschung aus den Zügen entgleitet.
Es war, als wäre er zwischen zwei Welten gefangen: die sanfte Wärme seiner Mutter, die ihm erlaubte, weich zu sein, und die unnachgiebige Härte seines Vaters, der von ihm verlangte, dass er sich durchsetzte, dass er nie einknickte und Haltung bewahrte.
So eine Puppe hatte keine Persönlichkeit. Verlor Zenaida gerade ihre? Weil sie nicht mehr erfolgreich war, weil sie ihre Freund:innen nicht mehr hier hatte? Wer war sie jetzt? Eine Versagerin. Dieses Geständnis, nicht mehr gesehen werden zu wollen, inmitten hungriger Augen, die sich an ihrem Sturz nicht sattsehen können, wog schwer.
Wenngleich die Offenbarung ihrer Unsicherheit für die eine oder andere Person nichtig oder kleingeistig wirken mochte, schien sie Zenaida gar selbstzerstörerisch zu sein. Es kam ihr vor, als würde sie ihr sorgsam aufgebautes Image der unantastbaren Königin selbst demontieren, wie eine Schaufensterpuppe, die man auseinandernahm, um ihr den neuesten Modetrend überzustülpen.
Dann tat sich ihm auch noch die Frage auf, wer zur Hölle Mairi war und welchen Kunden sie belästigte, denn er konnte es nicht sein. Er fühlte sich alles andere als belästigt (außer vielleicht von Arvin sorry), aber außer ihm befanden sich keine anderen Kunden im Laden.
Es kam nicht oft vor, dass Perseus so etwas wie innere Ruhe verspürte. Zu jeder Minute, gar Sekunde seines Lebens wütete ein Sturm in ihm, der ihn niemals ruhen ließ, der ihn immer wieder daran erinnerte, dass das Leben beschissen war und so vieles so falsch lief.
Seine Hände an meinen Oberarmen wärmen mich, trotzdem ist’s hier noch kalt.
Während sein Gegenüber sich erklärte, blieben Percys Augen starr auf Arvin gerichtet, trotz der kreisenden Bewegung seines Fingers, die dazu einlud, ihm mit dem Blick zu folgen. War definitiv Percys misstrauischer Art zu schulden, die noch heute darauf wartete, dass Arvin seine Maske endlich fallen ließ und der Welt zeigte, wer er wirklich war – kein Mensch konnte so freundlich sein.
Percys erste Reaktion war, den Lamb anzufauchen, dass er keine Hilfe bräuchte, vor allem nicht von ihm. Muscle memory. Manche Angewohnheiten wird man halt nie wirklich los.
Er schätzte seine Ruhe und kam alleine ganz gut zurecht, doch er kannte auch das Gefühl der Einsamkeit. Allein unter vielen. Manchmal meinte er, auch in Percys Augen dieses Gefühl erkennen zu können. Ein Trugschluss? Vielleicht. Doch er wusste, dass es auf Dauer nicht gut war, ständig mit den eigenen Gedanken allein zu sein. Irgendwann zerbrach man daran, und Arvin wollte, dass Percy dieses Schicksal erspart blieb.
Also war sein Mitschüler bereits in den Genuss des herrlichen Wetters gekommen? Nun, gut für ihn, das freute Arvin natürlich, nur schienen die Sonnenstrahlen die finsteren Wolken, die sich Percys Gemüt schimpften, nicht wirklich aufgelockert zu haben. Er wirkte immer noch unnahbar und abweisend. Lag das an Arvin? Er hätte jemanden gebraucht, der ihm ein Read the Room-Schild ins Gesicht klatsche oder eine rote Fahne schwenkte, die ihm signalisierte, das er hier schon wieder ein paar unsichtbare Grenzen überschritt, und versuchte Mauern einzureißen, die vielleicht ja doch einen Daseinszweck erfüllten. Beides stand ihm nicht zu, das hatte Percy ihm schon mehr als deutlich gemacht. Warum konnte er es dann nicht einfach gut sein lassen?
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