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Alle Inplayzitate
Wenn du die Dekoration entfernst, dann können die anderen Schichten nichts mehr tragen. Die Glasur und die Kirschen geben den Schichten darunter ihren Sinn.
Das längst vertraute Gefühl von Missfallen lag auf Augusts Haut wie ein öliger Film, den er mit noch so viel Seife und Bürsten nicht abbekommen würde. Es haftete nicht nur an, es sickerte ein, wurde eins mit seiner Haut und übernahm die Zügel seiner Mimik, wann immer er, derweil er bestimmten, aber nicht eiligen Schrittes auf das Herrenhaus zuging, einen Blick auf das Gebäude warf.
„Was machen Sie denn hier? Wohnen Sie nicht …“, er hatte keine Ahnung, wo abgehalfterte, drogensüchtige Musiker hausten. „… woanders?“
"Nun?", sie legte den Kopf erwartungsvoll leicht schief. "Zeigen sie mir und der Welt, dass ihr Talent genauso groß ist wie ihr Ego."
Als sie schließlich das Tor erreichten, setzte sich das Bild zusammen. Natürlich. Illegale Duelle.
»Isaac Falkenrath. Pianist, gelegentlicher Retter mittelmäßiger Darbietungen und künftiger Grund, weshalb dieses Haus irgendwann stolz behaupten wird, es habe mich entdeckt.«
Was August in diesem Waldbereich besonders ins Auge stach, war die relative Häufigkeit von Eiben. Er hatte eine gewisse Sympathie für Eiben, an denen wirklich alles giftig war und hatte mehr als einmal mit dem Gedanken gespielt, eine Eibenhecke um sein kleines Grundstück zu pflanzen – ein Statement, das vermutlich kaum jemand begreifen würde. Dann wiederum würde er sich auch damit abfinden müssen, wenn die eine oder andere streunende Katze das Nervengift aufnahm und deren Gesellschaft machte ihm wenig aus. Von daher blieb die Gifthecke eine Fantasie für schlechte Momente, zumindest fürs Erste.
Wenn er tief einatmete, dann drängte sich der kalte, beinahe scharfe Duft des Winterwaldes auf. Glasklar und gleichwohl Träger für den harzigen Geruch von Nadelbäumen.
Das Umfeld seiner Partnerin zu kennen, war genauso wichtig, wie Iona selbst. Er hatte sich nicht grundlos mit ihr verbündet. Dennoch galt es, vorsichtig zu sein. Sicherlich würde sie ihn dafür einen Kopf kürzen – wenn sie denn in der Lage war, ihn in dieser Höhe zu erreichen.
Schweigen war ein fester Bestandteil der Umgebung gewesen, in der er aufgewachsen war. Kein Wunder, dass er sich zu einem Beobachter entwickelt hatte. Ein Analytiker. So sehr der Drang in ihm brannte, zu verstehen, so sehr brannte auch die Neugier in ihm. Hatte er als kleiner Junge noch von seiner Vorstellungskraft gezerrt, hatte er seit ein paar Jahren den stummen Versuch unternommen, die Geheimnisse seiner Eltern aufzudecken. Denn in einer Sache war er sich absolut sicher: in seinem Elternhaus ging es nicht mit rechten Dingen zu.
„Bei deinem Berufsfeld nehme ich an, dass Roxy ungern von deiner Seite weicht. Es könnten ja Sahnetorten regnen“
Unterdessen war das versteckte Flughörnchen auf dem Regal verzückt. Nathaniel hatte die Frau nicht angeknurrt!
„Wenn Hoffnung so leicht aufrecht zu erhalten wäre, wäre es wohl keine Hoffnung mehr. Es liegt in ihrer Natur ein ewiger Keimling zu sein. Wäre sie mehr, wäre sie schon Revolution und Erkenntnis.“
Es blieb kaum Zeit, tiefer einzuatmen, als die Welt um sie herum bereits in Unschärfe versank. Instinktiv senkten sich ihre Lider und das bekannte Kribbeln in ihrem Bauch breitete sich für wenige Herzschläge über ihre Haut aus. Es erinnerte sie jedes Mal an Asseln, wie sie auseinanderstoben, wenn man einen großen Stein umdrehte und sie damit ihres sicheren Heims beraubte.
Er stellte das Glas ab und verschränkte dann die Arme vor der Brust, das Hemd über die Muskeln gespannt wie immer, als wäre Apollo nicht in der Lage Hemden in seiner Größe zu kaufen.
Es war eine Ästhetik, die sein Herz für einen Moment ruhiger schlagen ließ, ein Ort der Klarheit in einer Welt, die ihm momentan viel zu oft wie ein verschwommenes Aquarell vorkam.
Das Labor wirkte wie eine frisch aufgeschlagene Partitur, weiß und erwartungsvoll, in der jedes Instrument seinen festen Platz besaß.
Das spielerische Feixen verflog sofort, als sie das Papierchen vor ihrer Nase als Ausweis für das Archiv erkannte. Iona schnappte nach Luft, drückte die Zeitungen mit der linken Hand noch stärker an ihre Brust, damit sie mit der rechten Hand danach greifen konnte. Ihr Gesicht hellte sich sofort auf, die Brauen wurden wieder sanft geschwungen, die Haut dazwischen glatt. Ihrer Kehle entfloh ein leichtes Quieken, dann wandte sie sich von ihm ab und inspizierte den Ausweis. „Natürlich…“, selbstverständlich würde sie sich nicht an irgendwelche Regeln halten und alles aus diesem Archiv herausquetschen, was es zu bieten hatte.
Immer noch etwas verschämt musste Lune das Gesicht abwenden. Sicherheit empfand Lune in ihrer selbstgewählten Familie. Egal wie oft Gustave sie vielleicht wahnsinnig gemacht hatte, egal wie oft sie Emma als engstirnig bezeichnet hätte, egal wie oft sie Sciels Wolkenschlösser anzweifeln mochte, in diesem Kreis war sie sicher und geliebt.
In Sciels Blick, in Sciels Berührung, in Sciels ganzem Sein konnte Lune nur Verbundenheit spüren und dieser Mantel des Verständnisses war ungemein tröstlich.
Wenn Isla nur gut genug hinschauen würde, dann könnte sie die Zahnrädchen in seinem Kopf sehen, welche sich schwerfällig in Bewegung setzten und der Funken Realisation übersprang, dass Isla nun tatsächlich vor ihm stand.
Denn selbst jetzt lag in diesem Moment noch etwas in der Luft․ Es wollte nicht ganz verschwinden․ Kein Schmerz mehr‚ kein offenes Ziehen‚ eher ein Echo․ Wie ein Ton‚ der längst verklungen war‚ jedoch sich doch noch irgendwo im Raum hielt․ Gustave․ Es brauchte keine Aussprache seines Namens‚ um da zu sein․ Er war es einfach․ Während der Pausen zwischen zwei Sätzen․ In den Blicken, die manchmal einen Moment zu lange verweilten. Und trotzdem… sie standen noch․ Zusammen․
Auf seinen Lippen prangte immer noch dieses aufgeschlossene, schiefe Grinsen – er war gut darin, sich kaum etwas anmerken zu lassen.
Du musst es ja wissen, denkt Oswald, besitzt allerdings genügend Nachsicht, die Worte dort zu lassen, wo sie am wenigsten Schaden anrichten: hinter den Zähnen, eingeklemmt zwischen Zunge und Gaumen.
Für sie waren Gefühle keine Störung im System․ Sie waren vielmehr Teil davon․
Ihr aufkeimender Ärger war ihr nur an den leicht geblähten Nasenflügeln anzusehen. Deutlicher hingegen zeigte es sich in der Art, wie sich Vasya vorsichtig von ihrem Platz auf Mathildas Schulter löste, um mit leisen Pfoten auf dem Boden aufzukommen und die Nähe von Mirna zu suchen.
» Dramatisch? Ich? Pff! «, stieg darauf ein, auch wenn sie beide sehr genau wussten, was sie damit meinte. Trotzdem blies er sich verspielt eine der Haarsträhnen aus der Stirn und griff in einer eleganten Drehung nach der Teekanne. » Als würde ich in deiner Küche zaubern, Sciel. Was denkst du von mir?! Das hier ist deine Kunst! «, erklärte er, ließ es sich aber nicht nehmen, ihr doch zuzuwinkern, bevor er die Teller und den Tee zum Tisch brachte.
Sie machte zumeist einen unschuldigen, zaghaften Eindruck, als wäre sie ein hübscher Kirschblütenzweig, der nur bei einer nur allzu leichten Berührung seine Blüten verlieren oder in seinem Holz brechen würde. Dabei war Iona eher biegsam wie Bambus und wider Erwarten hielt sie einiges aus.
”Mir gebührt dein Ärger nicht.”, antwortete sie knapp, ihre eigene Stimme schneidend. Ohne zu Zögern überreichte sie ihm die Flammenbriefe, blieb dann jedoch mit der Dreistigkeit einer Elster, die etwas Glänzendes bemerkt hatte, in seiner Nähe.
Instinktiv tasteten seine Finger nach dem Gehstock, der immer irgendwo griffbereit auf ihn wartete — in diesem Fall am Sessel lehnend, woraufhin sich die elegante Gestalt von Mirna auf dem benachbarten Sofa regte. Mit einer Mischung aus aristokratischer Anmut und unverhohlener Kritik verfolgte sie seine steifen Bewegungen und konnte es sich nicht nehmen lassen, ihm ein entnervtes „Na endlich!“ in den Kopf zu pflanzen, das ihm ihre Missbilligung über die ausufernden Lesezeiten verdeutlichen sollte.
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