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Alle Inplayzitate
Wer von draußen kommt, putzt sich besser die Schuhe ab. Im Profil so mancher Sohle schleppt sich das Grauen in die magische Welt.
Ehe ist nicht alles. Und wenn sie alles wird, kann sie ganz schnell nichts werden.
Wie jedes Jahr sind wir zwar auf dem Weihnachtsmarkt, aber ich trete auf der Stelle. Sie hat mich dagegen eingeholt, umrundet, und ist jetzt wieder dieses Jahr an diesem Ort an genau dieser Stelle neben mir.
Wenn ich sie ansehe, ist sie makellos, mit den feinen Gesichtszügen und wie sie beim Lachen die Nase kräuselt, oder beim Weinen mit den Lippen bebt, oder wie jetzt von den warmen Klamotten und dem heißen Glühwein ganz rote Wangen hat.
Die Worte gleiten leise über meine Lippen wie ihr Flüstern vorhin an meinem Ohr. Zwischen den Zeilen schwingt so viel Unausgesprochenes, dass es verschwimmt wie die Lichter des Standes vor meinen Augen.
Damals hat sie’s (auch) nicht sehen können, dass ich mir gewünscht hab, sie würd’s nochmal machen. Mich küssen.
Greer scheint wohl Fehler zu mögen. Kann ich nicht verstehen. Vielleicht mag sie mich deswegen. Verkleide mich gerne als wäre ich perfekt, aber bin im Grunde auch nur handbemalt.
Personal war schwer zu finden. Das verstand Raphael, hatte er schon in Seattle gelernt, als er noch der kleinste Fisch im großen Teich der organisierten Kriminalität war. Der einzige Ort, an dem ein von Gott verlassenes Kind wie er hinkonnte, ohne von seinem Vater totgeprügelt zu werden, ohne Geld und Aufstiegschancen. Von Magie beraubt, mit ein paar Farbtuben in den Hosentaschen. Verschwiegenheit und Fleiß hatten ihm Sympathie und damit Arbeit eingebracht.
Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte mich eine Mitgliedschaft im Spinnennetz nicht überrascht. Vielleicht hat er aber auch mehr gesunden Menschenverstand als Sora und vor allem als ich.
Für einen flüchtigen Moment lachte die Astatorin über das Kommentar ihrer Begleitung und fand sogar, dass der Gedanke, in etwas Süßes zu beißen, gar nicht so schlecht erschien. Die Frage war nur, welche Art von süß Rosalyne aktuell begehrte.
Ach, das bisschen Trauma. Hat dem deutschen Jungen auch nicht geschadet.
Das ist halt Arvin, was. Wie mühelos der einem ein Fünkchen Menschlichkeit entlockt. ENTSCHULDIGUNG! Venner ist eigentlich stinksauer!
Der Typ geht direkt vor meinen Füßen schlafen und ich glaub nicht dass der Boden sonderlich bequem ist aber das ist (wie alles andere eigentlich auch) nicht mein Problem.
Vor dem goldenen Licht flüchten die Schatten unter der Hutkrempe, die gemütliche Hitze versucht sich vergeblich an seiner glatten Miene festzuhalten. Leider kann die nicht mal das müde Lächeln gegenüber erwärmen. Nicht, dass das bei Venner direkt eine negative Laune bedeuten muss. Das ist halt sein Gesicht.
Komplize — das Wort schmeckt nach Schuld. Ist wie Dreck, der sich unter den Fingernägeln festsetzt und selbst trotz eisernem Schrubben nicht mehr weichen will.
Mit klirrenden Gläsern kannst du dir was Nettes dazuverdienen, um verzweifelte Sinmas in einer Séance einzuschüchtern.
“Das zieht natürlich Ungeziefer an, das uns den Kuchen madig machen will.” Uns. Das Schaf mit sanften Beschwörungen zum Teil der Sache machen, damit es das Scheren seiner Wolle für einen guten Zweck hält.
Wie der den Linseneintopf in sich schaufelt, muss Venner an die streunende Katze denken, die er als Kind im Hof angefüttert hat. An den strengen Ton seines Vaters erinnert er sich gut: Lass das, sonst haste bald die halbe Gasse auf der Schwelle.
Hätte er die Wahl, dann säße er jetzt nicht hier; dann würde kein Schnitt in seiner Schulter klaffen und er müsste sich nicht anhören, wie unzufriedenstellend seine Arbeit ist, die er gar nicht erst verrichten will.
Sein Blick zuckt über Venners Gesicht, dessen Worten wachsen spitze Zähne, gedacht, um zu verletzen, zu verunsichern. Letzteres gelingt ihm.
Seine Haltung zu Heilungszaubern ist funktioneller Natur, in der Wirkung eher roh. Woher solls auch kommen, du würdest ja keinen Maurer bitten, Porzellan zu kleben.
Sorgsam legt er die Postkarte an ihre Stelle im Buch zurück, achtet darauf, dass sie perfekt zwischen den Seiten liegt, ohne Kanten hervorschauen zu lassen, die Venner missfallen könnten. Wäre ja schlimm, wenn dem etwas nicht in den Kram passt.
“Nicht totzukriegen”, kommentiert Venner schlicht und beobachtet den anderen beim Trinken, “das schätz ich an dir.”
Gleich rollt ein Steppenläufer durch die Kneipe und die Mundharmonika vibriert aus dem Off. Zwei glorreiche Halunken, der Zug um Arvins Mundwinkel wirkt schuftig. Ein wenig verspottet fühlt er sich, Vorsicht, die haben ja wohl keine Meinungsverschiedenheit zu seiner Großzügigkeit?
“Diese zweitklassigen Zauberer haben von mir exakt das bekommen, was sie verdienen – man kann viel über mich sagen, aber ich bin kein Geizhals.” Wie überzeugt der das raushaut vor seinem qualifizierten Botaniker, dem er keine müde Pecunia zahlt. Ganz ohne Selbstironie.
Nur schwache Männer greifen auf Gewalt zurück, aber heute, an diesem Tag, hat Arvin sich auf ihr Niveau herabbegeben.
Gnädig wie Arvin war, schenkte der ihm auch noch ein Lächeln. Ein Lächeln. Percy war immer voller Wut abgehauen, nachdem er Arvin zum hundersten Mal zurückgewiesen hatte, und jetzt, wo die Rollen getauscht waren, hatte Arvin nichts Besseres zu tun als zu lächeln. Es unterstrich für ihn nur, wie grundverschieden sie waren und dass aus ihnen nie Freunde hätten werden können. Dass er damals vielleicht richtig gehandelt hatte.
Arvin könnte den gleichen Weg einschlagen – in Percys Nähe wär’s ihm wohl nicht mal zu verübeln. Aber der Lamb blieb ruhig und respektvoll und ließ sich nicht dazu verleiten, Percy (oder seinen Habseligkeiten) auf irgendeine Weise zu schaden. Und Percy? Der wollte Arvin am liebsten anschreien, dass er’s verdient hätte, dass er nicht verstehen konnte, wie Arvin so locker bleiben konnte. Stattdessen blieb er still.
Die Ablehnung war gerechtfertigt und dennoch zwickte da was in seiner Brust. Ob der Lamb sich all die Jahre so gefühlt hatte, jedes Mal, wenn er ihn hatte abblitzen lassen, wenn er ihm die metaphorische Tür vor der Nase zugeknallt hatte? Nur, dass er mit Arvin nie so... ruhig umgegangen war.
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