Alle Inplayzitate
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Während Nicolò sich eine Zigarette anzündete und von seinen bisherigen Ergebnissen berichtete, tauchte Arcturus' Blick in das dunkle Gewässer des Flusses; die Oberfläche wie ein schuppiger Rücken, der sich wogend, wie von einem Atemzug getrieben, bewegte. Bei der Erwähnung von Mussolinis former lover entkam ihm ein leises "Mhmh", was von Arcturus zu normaler Mensch übersetzt ein Lachen bedeutete.
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I am your wife, erinnerte sie ihn und für den Bruchteil einer Sekunde wünschte Joaquin sich, dies wäre tatsächlich etwas, was er vergessen könnte.
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”My favourite story was from a man who was convinced that The Ninth Face was not an artefact but a person, none other than a former lover of Mussolini - but I'm not drunk enough to tell you that story.“
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Arcturus’ unerwartetes Auftauchen löste eine ungestüme Unruhe in Nicolò aus, aber diese hatte nichts von dem Chaos an sich, in welchem er versinken wollte. Es riss ihn auch mit sich und in die Tiefe, aber die Vorstellung, darin zu ertrinken, hatte plötzlich nichts mehr seltsam besänftigendes an sich, sondern ließ Nicolò noch stärker beben als der Prager Winter, der sich durch seine viel zu dünne Lederjacke fraß, die bei jeder Bewegung knirschte wie Baumrinde.
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Freddie ist nicht gerne traurig und versucht jedweden Anflug dieses Gefühls von vornherein im Keim zu ersticken, dass er tatsächlich davon überzeugt ist, im Grunde nie wirklich traurig zu sein. Naja, außer wenn er mal wieder Liebeskummer hat, außer wenn ihm mal wieder sein momentaner Traummann - jemanden, den er vielleicht gerade eine Woche kennt - eine Abfuhr erteilt, außer wenn sein Vater ihn mit diesem grauenvoll entäuschten, lieblosen Blick bedenkt, außer wenn, außer wenn. Fakt ist: Freddie ist kein Kind von Traurigkeit und er würde lieber lebendig begraben werden als zuzugeben, dass er es manchmal… eben doch ist.
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Aber aus einem jeden von ihnen tröpfelt es heraus, Stück für Stück, ganz langsam, als wären sie alle ein undichtes Fass, nicht gut verleimt, aus dem kleine Zeichen, kleine Zeugen ihrer Farce herausträufeln.
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Es ist viel schöner in einem Gemälde aus ausgeschmückten Illusionen zu schwelgen, dessen Pinselstriche man selbst gesetzt hat, als trostlosen Tatsachen ins Auge zu blicken, die einen nur traurig machen.
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Als sähe Arvin ihn als einen Stadtmenschen - und was hatte er getan, um plötzlich eine Beleidigung zu verdienen? Konnte er ihn, wenn unbedingt notwendig, nicht einfach als Arschloch bezeichnen?
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Das Feld auf dem er sein Interesse gegenüber Menschen säte war ohnehin unfruchtbar.
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Dem Gefühl der Wut hatte er lange abgeschworen. Zumindest hatte er das geglaubt. Gleichgültigkeit, das war es, woran Cassius sich klammerte, seit… er wusste es nicht einmal mehr genau. Seit vielen Jahren. Wut ließ ihn impulsiv werden und wohin ihn dieses Gefühl zerrte, hatte er bereits ausreichend feststellen dürfen. Wut machte ihn angreifbar. Und im Fall der Fälle wollte nicht er derjenige sein, der sich zu verteidigen hatte. Er war die Offensive.
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Mit jedem Schritt fühlte sie sich kleiner, als würde der Raum sie wie eine Spinne einwickeln, Schicht um Schicht, bis sie nur noch ein gefaltetes Etwas war, ein Päckchen, das in der Menge verschwand.
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Schroff. Das waren die Worte manchmal, wenn sie Cassius' Lippen verließen. Irgendwo zwischen herausfordernder Konfrontation und unhöflicher Direktheit, mit der nicht jeder warmzuwerden wusste. Manch einer fühlte sich davon schnell vor den Kopf gestoßen — eine Wirkung, die, wie Arvin wusste, oft gezielt heraufbeschworen wurde, denn seine Mitmenschen hielt der Shepherd lieber auf kühler Distanz. Möglichst weit weg von sich, bloß nicht zu nah. Doch über die Jahre, die sie einander nun schon kannten, hatten die bedachten und unbedachten verbalen Hiebe ihre Reißzähne eingebüßt. Da zwickte nichts mehr, wenn die Stimme etwas trockener, etwas abweisender wurde. Da war kein Gefühl von Verunsicherung, wenn man sich insgeheim fragte, was man falsch gemacht hatte, um solch eine Reaktion provoziert zu haben.
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„I mean, he’s going to love it but, you do realize what you’re subjecting us to, right?“ Sein Blick wanderte zu Eliyas und er zog fragend die Augenbrauen in die Höhe. „He’s going to wear that! And I do mean, only that! You’re subjecting us to a ‘Freddie in nothing but underwear and a bowtie’ evening!“
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Cassius spürte die Kälte kaum, die sich trotz Mantel und einem ungewöhnlich farbenfrohen, dunkelblauen Schal zu ihm durchfraß.
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Zu diesem Schluss würden wohl auch Good Cop und Bad Cop kommen, die ihn dort hinter verschlossenen Türen befragten, nur um zu klein geratene Genitalien zu kompensieren.
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Noch nie hatte sich der Herbst so lang angefühlt. Noch nie hatte er so wenig Lust auf den Winter verspürt. Er mochte das Gefühl nicht, das da in seiner Brust heranwuchs und auf seine Lunge drückte, wie ein tödliches Geschwür. Es fühlte sich kalt und erdrückend an und gleichzeitig — irgendwie leer. Seine Augen kletterten hinauf zu der dunklen Wolkendecke, die sich über Stellans spannte. Trist. Natürlich.
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Doch dann nickte der Mann hinter dem schweren hölzernen Schreibtisch, schlug ein dickes Buch auf, das wie ein stiller Beobachter die Geschichte derer festhielt, die bereits vor ihm hierher gekommen waren, und legte die unterschriebene Zeugenaussage hinein.
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Schließlich schob er das Schriftstück zurück über den Tisch, damit der Beamte noch einmal einen prüfenden Blick darauf werfen konnte, der beinahe so lange auf das Geschriebene gerichtet war, dass Arvin sich unweigerlich die Frage stellte, ob er seinen eigenen Namen vielleicht falsch geschrieben hatte.
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Schamlos richtete Eliyas seinen Blick auf den besagten hübschen Arsch, nickte anerkennend. ”Ein wahres Kunstwerk. Aber ich bin mir sicher, wir werden heute noch mehr von der Sorte zu sehen bekommen … Diesem Exemplar mangelt es, wie sagt man, am … ehm … je-ne-sais-quoi.”
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Eliyas war und blieb ein Meister darin, sich entweder blind und taub für Spott zu stellen oder, wenn er besonders empfindsam und dünnhäutig wie eine Kaulquappe sein wollte, Kritik selbst im Lob zu erkennen.
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Er war über das Sehen hinweg geschritten und am anderen Ende gelandet, in einer anderen Blindheit, die viel mit der überflutenden Betriebsamkeit zu tun hatte; mit der Maschinerie, in der man als Excubitor so wie alle anderen auch verarbeitet wurde. Nur, dass man mehr wusste und mehr Grausamkeiten sah, über das zu sprechen so unsäglich schwer war.
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Hier war er niemand, denn nur so lange er niemand war, konnte er seiner Aufgabe nachkommen, seinen Auftrag zufriedenstellend erledigen, weil Nicolò Gimondi nicht hier sein konnte, nicht noch immer im Spinnennetz verwoben sein konnte, weil er doch geschworen hatte, nie wieder auch nur einen Faden dessen zu berühren.
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Er würde ersticken, wenn Silas sich seiner nicht annahm. Er würde elendig verenden, wenn er weiterhin in seine Wunden fasste, wie in seine Unsicherheit, die er behandelte, wie als wäre er blind für sie und als wäre sie kein Loch, in das Maurice stetig fiel und fiel und fiel. Niemals endende Angst, die nun seinen Blick füllte; expandierende Pupillen. Sie fraßen den ganzen blauen Himmel aus seinen Augen.
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”Please, Silas. I’ll fix it.” So, wie er alles; sie beide, August und Heloise, ihre ganze Gruppe, stets hatte zusammenhalten und schließlich reparieren wollen.
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Selbst in den Spitzen seiner Haare konnte Maksim die Spannung zwischen ihnen spüren, als würde man ihm das Feuer direkt in den Nacken halten, die blonden Strähnen fast mit den Flammen ansengen. In Wirklichkeit war dort jedoch Eliyas’ Hand, die ihm im vorbei laufen über den Nacken strich, seine Finger, die sich für den Bruchteil einer Sekunde wieder in dem zerzausten Haar verirrten, als wäre nichts dabei, als würde Maksim ihnen nicht instinktiv mit den eigenen nachjagen, kaum dass Eliyas sich schon wieder von ihm gelöst hatte. Wie benommen tastete Maksim die warmen Schatten seiner Berührung nach.
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Seine Stimme hatte die Spuren jener bitteren Schärfe, die sie aus den Nächten kannte, in denen sie ihn miteinander gestritten hatten. Nächte, in denen sie es gewagt hatte, ihn zu lieben und zur gleichen Zeit zu verschmähen, indem sie ihn in die Ecke ihrer eigenen Unsicherheiten gedrängt hatte.
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James hatte ihr das immer als Grausamkeit ausgelegt. Dass sie ihnen nur erlaubte, sich im Schatten der Wirklichkeit zu lieben. Dass sie ihn vor ihrer Familie versteckte und die Fenster zu ihrem Leben immer mit ihrem Atem benetzte, damit er keinen Blick durch das milchige Glas werfen konnte.
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In seinem nachtschwarzen, doppelreihigen Anzug sah er ordentlich aber unscheinbar aus; die Haare glänzten, dunkel wie Nachtnektar, fein säuberlich mit Pomade zurück gestrichen, und sein Blick war aufmerksam und schnell; wenn ein Blick etwas sein konnte, ein Gegenstand, ein Ort, ein Wesen, wäre seiner brennendes Öl.
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Denn seine Heimat war nicht nur ein Land, nicht nur ein Küstenort und nicht nur der besondere Klang englischer Worte – es waren auch, oder vor allem, Personen, die nun nicht mehr in seinem Leben weilten und ohne die selbst die schönste Umgebung der Welt ein klein wenig grauer wirkte, das Schreien der Vögel ein wenig dumpfer, die Herzlichkeit der Iren ein wenig reservierter.
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Das Kreischen der Möwen wich dem etwas sanfteren Klang kleinerer Vögel, die Arvin sicher benennen konnte, für Cassius in diesem Moment allerdings nichts weiter verkörperten als kleine, namenlose Instrumente der Natur.
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