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Die Umgebung erinnerte vage an eine Lagerhalle: hoch, weit, industriell, als sei sie aus Beton gegossen und dann dem Verfall überlassen worden. Rost an Stahlträgern, rissiger Boden, Staub in der Luft, der im schräg einfallenden Licht tanzte wie Asche zwischen zuckenden Flammen eines Lagerfeuers. Es war kein albtraumhafter Ort, nichts, dass ihm eine Gänsehaut über die Glieder kriechen ließ oder seinen Puls in Angst beschleunigte, doch Ruhe strahlte er ebenso wenig aus. Vielmehr lag über allem eine bleierne Ungewissheit, eine angespannte Erwartung, als würde jeden Augenblick etwas geschehen, ohne dass man benennen konnte, was.
Die Stimmen um uns herum haben sich auf eine Frequenz geeinigt. Je mehr ich mich anstrenge, ihnen zu folgen, irgendetwas von ihnen zu verstehen, desto mehr verschwimmen sie zu einem monotonen Knacken, das sonst nur durch statische Aufladung entsteht. Ein Kribbeln, ein Flimmern in der Luft, das die Körper im Raum nicht einfach umgibt, sondern wie eine formbare Masse vor uns dahin schwebt.
Die Erkenntnis, dass seine bloße Existenz Gespräche beenden kann, Menschen dazu bringt, ihren Atem anzuhalten und sich nach ihm umzudrehen, ist ihm sicherlich nicht neu, sondern eher wie ein vertrauter Bekannter, der regelmäßig und nahezu unauffällig zurück in sein Leben tritt.
Der Applaus, der immer noch in meinen Ohren klingt, ist wie ein Rasseln, nur gelegentlich durchzogen von unterschiedlichen Stimmfarben, die sich schon längst nicht mehr den Raum mit mir teilen und langsam verblassen, ohne gänzlich zu verschwinden. Wie feine Nebelschwaden kriechen sie durch meinen Verstand und verknüpfen sich mit den Mündern, aus denen sie ursprünglich gekrochen sind.
Auf der einen Seite brannte die Sehnsucht, alles in Ordnung zu bringen, Cassius' Stimme wieder zu hören, seinen trockenen Humor, seine ruhige Art, die ihm stets Halt gegeben hatte. Auf der anderen Seite war da diese lähmende Scham, die ihm ins Gesicht schlug, sobald er nur daran dachte, den ersten Schritt zu tun.
Er dachte an die vielen kleinen Dramen der Vergangenheit, die ihm heute beinahe lächerlich erschienen. Damals hatte er keine Ahnung gehabt, wie schwer das Gewicht der Welt auf einem lasten konnte, wie zermürbend die Verantwortung war, wenn sie nicht mehr nur aus guten Schulnoten oder pünktlichen Heimkehrzeiten bestand. Als Kind war sein größtes Problem vielleicht gewesen, ob Mutter ihn beim Naschen erwischen würde. Heute drohten Dinge in seinem Innersten zu zerbrechen, von denen er fürchtete, dass kein Frosch der Welt sie mehr kitten könnte.
Seine eigenen Erinnerungen an den Raum, der für ihn vorgesehen war, fühlten sich jedoch brüchig an. Kein echtes Heimatgefühl hatte sich hier je verankert.
Alles in der Haltung seiner Schwester wirkte sicher, bedacht, verlässlich. Er beneidete sie um diese Fähigkeit, so leise und doch kraftvoll durch alles hindurchzugehen. Natürlich wünschte er sich manchmal, sie würde sich mehr öffnen, ihre eigenen Gefühle lauter äußern, doch genau diese Stille, die sie umgab, war auch der Grund, warum er sich in ihrer Nähe immer ein kleines Stück sicherer fühlte. Als könne nichts vollständig aus dem Ruder laufen, solange sie da war.
Diese Ruhe war ihr eigenes Terrain, eine Festung, die sie meisterhaft bewohnte, während er selbst sich schon seit Tagen wie ein Eindringling in den eigenen Gedanken fühlte.
Velmas Hände bewegten sich mit einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit. Jede Scheibe Brot, die unter dem scharfen Schnitt des Messers in gleichmäßige Portionen zerfiel, wirkte wie ein eigener, in sich abgeschlossener Vorgang. Streichen, legen, ordnen — die Ruhe, die sie dabei ausstrahlte, schien ihn fast körperlich zu umhüllen.
Er nickte seinen Geschwistern zu und trat los, den Blick dabei kurz zu Hamlet senkend, der mit gesträubtem Stolz und meckerndem Unmut Velma folgte, wie ein bockiges Kind. Arvin sah zu seiner Schwester, hob eine Braue, dann folgte ein schmunzelndes Kopfschütteln. Typisch Hamlet.
Natürlich wollte auch er eine bessere Zukunft. Für ihre Welt und selbstverständlich auch für die Welt der Sinma. Für seine Familie und Freunde, die teilweise schreckliches durchgemacht hatten. Für sein Patenkind und alle anderen Kinder, die ihre Generation in den kommenden Jahrzehnten ablösen würden. Eine Welt ohne Angst, ohne Grausamkeit, ohne die Schatten, die ihm selbst zu lange gefolgt waren. Eine Zukunft, in der das größte Abenteuer das Lernen, Entdecken und Leben war — und nicht das bloße Überleben.
Der Ausdruck in seinem Gesicht war ein Chaos aus vielem: Erschöpfung, Angst, der unbeholfene Versuch, sich nicht in seinen eigenen Gedanken zu verlieren. Verzweiflung stand darin, klar wie Tinte auf frischem Pergament. Er sah ihr beim Arbeiten zu, wie sie Brotscheiben schnitt, als wären es Gedanken, die sie in gleichmäßige Scheiben portionierte.
Er biss sich auf die Unterlippe, spürte das schmerzhaft ziehende Brennen einer alten, aufgebissenen Stelle, die nie ganz verheilte. Seine Finger verschränkten sich, verkrampften sich, lösten sich wieder. Es war ein leises, inneres Ringen, fast so, als würde er seine eigene Auflösung hinauszögern, eine Bewegung nach der anderen, um nicht vollständig zu zerfallen.
Kalt war es, aber auf die gute Art. Nicht beißend, nicht schneidend, sondern frisch und klar, wie ein Schluck eiskaltes Wasser aus einem Bergbach. Die Sonne hatte sich heute erbarmt und ließ die dicke Schneedecke im hellen Licht wortwörtlich erstrahlen, so dass es fast schon in den Augen schmerzte. Jeder Ast, jeder Zaunpfahl, jedes Dach war mit einer makellosen Schicht Schnee bedeckt, die so weich und glatt wirkte, als hätte jemand mit einem besonders zarten Pinsel darüber gemalt.
„Ich verspreche, ich höre dir zu. Nur halte mich jetzt nicht auf, ich bitte dich. Du bist für das hier nicht gemacht. Selbst wenn du weißt, was ich tue, und wofür ich gemacht bin. Du bist es nicht. Und das will ich bewahren.“
"[...] Dann kannst du mir völlig zu Recht eine Moralpredigt halten und das Spinnennetz verteufeln“, die Worte sprach er eher gedämpft aus, weil er nicht wollte, dass Hamish unnötig viel über die Bedenken seiner Frau und vielleicht sogar die eigenen Bedenken mitbekam, “aber bitte lass mich jetzt für ein paar Minuten vom Haken. Oder willst du Hamish in diese Diskussion einbinden? Er stimmt dir sicher in allen Punkten zu.“
Seine Ehefrau wollte er nicht in die Gewalt verwickeln, völlig egal wie oft sie seine blutigen Hemden wusch oder seine Verletzungen versorgte.
Jemanden zu vermissen war wie ein Satz, der nie zu Ende gesprochen wurde. Die Worte waren da, die Bedeutung spürbar, doch etwas fehlte. Es war, als ob eine Melodie weiter in einem spielte, obwohl das Lied längst verklungen war. Wie ein Blick zur Tür, obwohl man längst wusste, dass sie sich heute nicht öffnen würde. Wie etwas Vertrautes, das man aus der Ferne erkannte, schemenhaft, ohne es greifen zu können.
"Es sitzen so viele unschuldige Männer und Frauen im Knast, wie es Schuldige auf der Straße gibt. Merk dir das, Gerechtigkeit funktioniert in dieser Gesellschaft nicht, mein Junge."
Die Sonne hatte das Holz aufgeheizt, es duftete nach Harz und alten Sommern. Er lehnte sich etwas zurück, stützt sich mit den Händen auf den Dielen ab, während seine Beine vor und zurück schaukelten.
Es war eine Arbeit, der er gerne nachkam, sie hatte etwas beruhigendes, beinahe meditatives an sich. Und wie jedes Jahr zahlte sie sich aus: Die Erdbeeren hingen schwer und süß, der Lavendel summte vor Bienen, und die Bohnen rankten sich an den gespannten Schnüren empor.
„Kuchen bereiten eindeutig weniger Kopfzerbrechen als Piloten und ihre schlechten Sprüche“, sagte sie, sich an ihren Austausch in England erinnernd. Freundschaften wurden damals schnell geschlossen – ebenso schnell gingen sie wieder verloren.
Ihre grünen Augen nahmen für einen flüchtigen Moment sein Gesicht wahr, bevor es vor ihrem inneren Auge blutüberströmt war – ein Bild aus der Vergangenheit, das sich über die Gegenwart legte. Das Jetzt verdrängte das Damals, aber das Bild hallte nach. Der metallische Geruch schien in ihrer Nase zu haften, die Geräusche um sie herum – das Klirren von Tassen, das Schmatzen der Kunden – vermischten sich mit den Echos von damals.
Vor ihr stand ein Geist.
Ein Lächeln für jeden Kunden auf den Lippen, ein netter Spruch in fröhlicher Singsangstimme. Es war eine hübsche Farce, eine schöne Ablenkung – vor allem vor dem, was in ihr lauerte.
Schneeflocken fallen vom Himmel. An manchen Tagen schmeckt die Luft, wenn sie fallen, nach verbrannter Asche, die vom Himmel rieselt. An manchen Tagen ist die Stille so laut, dass sie das Trommelfell beinahe zum Platzen bringt, und die Sonne so grell, dass sie sich instinktiv abwenden und zusammenkrümmen will. An manchen Tagen, wenn sie über die Vernarbungen in ihrem Gesicht fährt, beginnen sie wieder zu brennen – ohne wirklich zu brennen. Und an manchen Tagen bahnt sich das Feuer der Panik durch ihre Adern, ohne dass sie eine Chance hat, es mit Wasser zu löschen.
Dabei wusste er selbst nicht, wie er es hätte in Worte fassen sollen. Wie beschrieb man diese Leere? Dieses Gefühl? Wie erklärte man, dass einen selbst das Atmen manchmal überforderte? Dass es Tage gab, an denen man nichts weiter tun konnte, als aus dem Fenster zu starren und zu hoffen, dass der nächste Tag leichter wird? Dass man nicht aufstand, weil man faul war, sondern weil das Aufstehen selbst wie ein unüberwindbares Hindernis erschien?
Es war nicht nur Müdigkeit. Nicht einfach ein anstrengender Tag oder die übliche Erschöpfung, wie sie jeder kannte. Was Arvin durchfuhr, war dichter, wie ein zäher Schleier aus Wachs, der sich über seinen Geist gelegt hatte und alles in dumpfes Grau tauchte. Eine lähmende Trägheit, die sich nicht abschütteln ließ.
„Du hast mir nicht gewunken, als du mich gesehen hast.“ Himmel, er fühlte sich erbärmlich, während diese Worte über seine Lippen kamen – als ob er ein kleines Kind war, das ignoriert worden war und sich nun verletzt, gar beleidigt fühlte.
Percy folgte dem Blick des Lambs hoch zur Decke und konnte es nicht verhindern, dass tatsächlich so etwas wie ein Lächeln auf seinen Lippen erschien. Wunderschöne Kunst löste so etwas eben in ihm aus.
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