Alle Inplayzitate
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In seiner Angst zitterte er nicht, sondern er lag totenstill. Regungslos, unfähig, auch nur irgendetwas zu tun. Das war es, was Ambróis am meisten fürchtete. Nichts zu tun und Nichts zu sein.
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Selbst in Stellans konnte man in den Fugen der Gesellschaft verrinnen wie Dreck, der vom Regen die Rinnen hinabgeschwemmt wurde.
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”I’m not interested in men”, stieß Maksim es beinahe augenblicklich mit dem Rauch in die Luft, die Stimme seltsam fest, als hätte er diesen Satz schon tausende Male gesagt.
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Es war, als wäre er zwischen zwei Welten gefangen: die sanfte Wärme seiner Mutter, die ihm erlaubte, weich zu sein, und die unnachgiebige Härte seines Vaters, der von ihm verlangte, dass er sich durchsetzte, dass er nie einknickte und Haltung bewahrte.
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Dass sein Bruder nicht so einfach kleinzukriegen ist, ist Nikolay zwar in Anbetracht der neuesten Entwicklungen ein Dorn im Auge, jedoch ein Indiz dafür, dass der Name, den sie beide tragen, mit einer Standhaftigkeit einhergeht, derer sie alle - außer vielleicht Agnessa - sich zu erweisen haben.
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Andererseits musste Maksim kein waghalsiges Experiment mit einer bunten Krawatte starten, um Nikolays vernichtenden Blick auf sich spüren zu können, als hätte Maksim ihm soeben gebeichtet, er würde fortan nur noch für das Klatschmagazin der Falkenraths schreiben.
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Silas hingegen war ein erreichbarer Traum, auch wenn er frustrierend war, weil jener ihn behandelte, als befänden sie sich auf unterschiedlichen Seiten beim Tauziehen. Nur dass Maurice eben jenes Tau gar nicht in der Hand hielt, sondern mit den Händen stets nach Silas greifen, ihn anbetteln wollte, nicht mehr gegen ihn zu kämpfen – aber Bettelei, ach, auf Silas Zapatka hatte jene nie den gewünschten Effekt.
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Der Blick aus Obsidian lag kalt auf ihm. Und auch Silas Gesicht zeichnete keine sprudelnde Freude als er seine alte Freundin sah, stattdessen schienen rote Schatten in seinem Blick zu tanzen. Wütend, glühend. Kohle und Asche. Wenn die beiden einander nicht so fremd geworden wären, dann hätte man dies als ihr altes Spiel bezeichnen können.
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Wenn sie an ihre gemeinsame Schulzeit zurückdachte, dann blieb eine Erinnerung prägend: Sie und August auf dem Dach, den roten Wein direkt aus der Flasche trinkend und Silas Hand, schmutzig vom Klettern, wie er sie lachend durch das weizenblonde Haar von Maurice zauste. Sie hatten einander alle geliebt, aber diese Zeit war lange vergangen. Es gab keine Bande mehr zwischen ihnen, und wenn doch, war Héloïse hier, um sie mit aller Gewalt zu zerschneiden.
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Und, dass er der Schreckschraube von nebenan, die gerade ganz zufällig einen Blick aus ihrem Fenster geworfen hat, eine fabelhafte Show bieten konnte, über die sie sich mit ihren Freundinnen beim Kaffeekränzchen sicherlich wieder das Maul zerreißen wird.
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Und manchmal, da ist es nicht nur bloßer Unmut, da ist es leises, hässliches Flüstern, ob Ollie sich vielleicht für etwas besseres hält, weil er sich eben nicht auf derartiges ‘herablässt’. Und dann werden manchmal selbst Freddies Witze darüber etwas zu viel und etwas zu wenig lächerlich, als dass man darüber noch aus Mitleid lachen könnte, und nicht selten hat es Momente gegeben, in denen Heyne ihm mit einem sanften Stups gegen die Schulter und einem flehenden Ausdruck in den wehleidigen Zügen zum Aufhören zu bewegen versucht hat.
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Menschen sorgten sich nicht um ihn, nicht um Maksim Fedorov, der doch schon immer breite Schultern und ein vor Stolz in die Höhe gerecktes Kinn gewesen war. Niemand musste sich um Maksim Fedorov sorgen, schon gar nicht seine besten Freunde.
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Erstens, Heyne fror schnell, also war jede Aktivität, bei der man nicht mindestens zwei Lagen tragen konnte, absolut nicht geeignet für ihn.
Zweitens, Heyne hatte die Reaktionsgeschwindigkeit einer Schildkröte — außer es ging darum, sich wegen irgendetwas Sorgen zu machen, da war er erstaunlich schnell. Und drittens, Heyne hatte zwei linke Füße - und zwei linke Hände — und vielleicht sogar zwei linke Knie. ![]()
Zu schmal war der Grat geworden; auf der Suche nach seiner eigenen Seele lief er an Tausenden knorrigen Bäumen vorbei, an denen Tausende von Stricken baumelten, und alle knarzten sie seinen Namen, trugen seine Initialien, wartend darauf, dass er ihr Erbe annahm und sich zu Grabe tragen ließ.
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Für Heyne bestand keine Frage, dass Oleander Caulfield früher oder später immer mitbekommen würde, wenn einem ihrer gemeinsamen Freunde etwas passierte. Vielleicht, weil er als Krankenpfleger arbeitete. Klar, das tat er zwar auf der Kinderstation, aber erstens benahmen sich Heynes und Ollies Freunde eh eher so, als würden sie genau dort hingehören - gut Heyne von Zeit zu Zeit vielleicht auch - und zweitens ging Heyne davon aus, dass gewisse Sachen in Krankenhäusern eben die Runde machten. Sachen wie ‘Übrigens einer deiner Freunde ist von seinem Balkon gestürzt und hat sich den Kopf aufgeschlagen’.
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Er würde also wohl oder über dastehen müssen und zusehen, wie Charlie langsam aber sicher verblutete. Wenigstens wäre das Erlebnis vermutlich traumatisch genug, dass Heyne ein paar tief bewegende Gedichte darüber schreiben könnte.
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Schon wieder verließ Benjamins Kehle ein halb lachender, halb erstickter Laut. Seine Schultern bebten, auf seinen Wangen brannten noch immer erhitzte Tränen. ”What is war if not stupid?”
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Kokettierend mit ihrem Talent war Héloïse stets irgendwo zwischen unerträglicher Arroganz und zähnefletschendem Charme. Und wer sich dem ergab, konnte unter ihrer Führung genauso außerordentlich sein wie sie
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Dabei war es doch genau das gewesen, was ihn so an Aurora gereizt hatte - die Herausforderung, welche sie in ihrem ganzen Sein für ihn dargestellt hatte, weil sie keiner Frau, welcher er je zuvor begegnet war, auch nur im entferntesten geähnelt hatte. Weil Frauen wie Aurora nicht mit Männern wie ihm sprachen - Männer, die ihr doch eigentlich nichts zu bieten hatten. Er war ein Niemand gewesen und Aurora alles.
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So eine Puppe hatte keine Persönlichkeit. Verlor Zenaida gerade ihre? Weil sie nicht mehr erfolgreich war, weil sie ihre Freund:innen nicht mehr hier hatte? Wer war sie jetzt? Eine Versagerin. Dieses Geständnis, nicht mehr gesehen werden zu wollen, inmitten hungriger Augen, die sich an ihrem Sturz nicht sattsehen können, wog schwer.
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Wenngleich die Offenbarung ihrer Unsicherheit für die eine oder andere Person nichtig oder kleingeistig wirken mochte, schien sie Zenaida gar selbstzerstörerisch zu sein. Es kam ihr vor, als würde sie ihr sorgsam aufgebautes Image der unantastbaren Königin selbst demontieren, wie eine Schaufensterpuppe, die man auseinandernahm, um ihr den neuesten Modetrend überzustülpen.
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Die Illusion ist, dass das, was wir teilen, nicht schmerzhaft ist. Manchmal will ich es aber verschleiern. Manchmal will ich nicht so gnadenlos sein und mich daran erfreuen, wie grausam es ist, was wir einander antun.
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Manchmal, da fragte er sich vermutlich zu recht, ob die bunte Kabbelei ihrer Truppe ein gutes Zeichen war, eins für eine gesunde Moral, einen kräftigen Herzschlag, oder ob sie damit die Risse in der Fassade überdeckten. Ob sie nur mit genug Humor ein Platzdeckchen über den Spalt im Holztisch zogen, diese von Gewalt verursachte Verwundung, über die schwer zu reden war, weshalb man sie lieber kosmetisch aus dem Weg schaffte. Sie weglächelte, wenn jemand fragte.
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Die Angst gefriert auf seiner Haut, windet sich durch die Ritzen seines Schals, zieht sich seinen Nacken hinab, lässt die Haare dort zu Berge stehen. Vielleicht hätte sie sogar die Kraft gehabt, ihn in seinem Tun zu hemmen, wäre da nicht die Faszination am Verbotenen, deren Hitze unter seiner Haut schwelt, scharfe Stiche über seinen Rücken, seine Arme, sein Gesicht jagt, die ihm zu Kopfe zu steigen scheint.
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Dann tat sich ihm auch noch die Frage auf, wer zur Hölle Mairi war und welchen Kunden sie belästigte, denn er konnte es nicht sein. Er fühlte sich alles andere als belästigt (außer vielleicht von Arvin sorry), aber außer ihm befanden sich keine anderen Kunden im Laden.
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Es kam nicht oft vor, dass Perseus so etwas wie innere Ruhe verspürte. Zu jeder Minute, gar Sekunde seines Lebens wütete ein Sturm in ihm, der ihn niemals ruhen ließ, der ihn immer wieder daran erinnerte, dass das Leben beschissen war und so vieles so falsch lief.
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In dem Sessel neben seinem hatte es sich Perseus mit seinem Skizzenbuch gemütlich gemacht. Die Nase so tief in den Seiten vergraben, dass Corvus schon fast befürchtete, er würde jeden Moment versuchen, mit dem Ding auf Tuchfühlung zu gehen.
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Was die eine konnte, konnte die andere doch schon lange — das Bedürfnis, andere zu übertrumpfen, war durch und durch fedorovisch.
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Der Mann zog Mudan unter dem Tisch hervor; den Jungen, dessen Fingerabdruck auf der ganzen Traumwelt lag.
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Seine Hände an meinen Oberarmen wärmen mich, trotzdem ist’s hier noch kalt.
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