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Alle Inplayzitate
Jeder Kuss und jeder Berührung war ein Gebet für sich, jeder Ton, jedes Wort heiliger als jede Schrift und jedes bisschen Dunkelheit ein Loblied an seinen persönlichen Abgott.
Dante konnte sich wirklich nicht entscheiden, ob er sich über Joaquins Gesicht freute, oder ob er hineinschlagen wollte.
Sie wusste schlichtweg nicht, was in James vorging, aber sie machte sich Sorgen. Was auch immer es war, es war nicht gut. Es fraß ihren Bruder von innen auf. Kleine Termiten aus dem Krieg machten sich über seinen Geist und sein Fleisch her und sie befürchtete, am nächsten Morgen wäre nichts mehr von ihm übrig.
Vielleicht sollte sie ihn einmal mitbringen und es hinter sich bringen, immerhin war Ruben selbst Italiener, er kannte Sonntagsessen sicherlich. Schade das er kein Franzose war, dann wäre es wohl halb so wild, dass er sich kaum in die Familie integrierte.
Obwohl sie am liebsten ein Besteckstück nach dem anderen gegen die Wand wegen seiner Affäre werfen wollte, schob sie den Gedanken in die hinterste Ecke ihres Kopfes. Jetzt schob sie ihre Trauer dorthin. Ihre Gefühle konnten dort verrotten, wenn es nach ihr ging. In dieser lästigen Ecke, die sicher so mintgrün wie ihre Küche war.
All das beobachtete Balthazar argwöhnisch, auch wenn er währenddessen mit hochgezogener Augenbraue nach dem Tiramisu griff und sich ungeduldig den Nachtisch auf den Teller mit den Pastaresten schaufelte. Balthazar war ein simpler Mann…
Eine Heirat zwischen Teresa und Ruben würde diesen eigentlich in diesen Kern aufnehmen. Sobald er seiner Schwester den Ring an den Finger steckte, war er offiziell ein Teil der Familie. Aber bisher hatte Balthazar keinerlei Bindung zu dem bärtigen Schönling. Seine Meinung war bisher zudem noch nicht sonderlich hoch; selbst Alfonso war skeptisch – für ihn roch Ruben einfach zu gut.
„Aber nun mach es nicht so spannend. Was genau hat mein liebreizender Bruder über mich gesagt? Mir käme nichts in den Sinn, das nicht schmeichelhaft wäre. Ich bin schließlich…“, sie wollte nicht perfekt sagen, “ich.“
Die Fedorov-Kinder hatten alle Phasen, in denen sie die Welt und die Familie verdammten, letztlich aber nur in stummer Rebellion sich selbst zu Grunde richteten. Anders hatten sie es nicht gelernt, sich auszudrücken. Ihr Zorn richtete sich immer gegen sie selbst, auch wenn die Eltern oder die Geschwister diesen heraufbeschworen hatten.
War es denn so "makaber", mit Feinden über die Sprache der Blumen zu kommunizieren? Letztendlich war es doch vermutlich weitaus netter, als ihnen einen Pferdekopf ins Bett zu legen.
Das Frettchen robbte unter einem Klamottenhaufen hervor, etwas erdrückt von dem Pullover, und rannte dann um Sofias Füße, sofort die Aufmerksamkeit ganz auf sich haben wollend. Balthazar rieb sich mit einer Hand über das Gesicht. Manchmal wünschte er, sein Familiar hätte etwas mehr Würde.
“Zuletzt haben wir da noch die Blüten des Granatapfels, welche sowohl für das Leben, aber auch für den Tod stehen können. Das Blumengesteck ist also entweder ein perfektes Geschenk für eine Verabredung nach einem Streit, oder aber eine Warnung, bevor man eine verflossene Liebe umbringt”
Irgendwie war gefühlt die Hälfte der Lehrerschaft definitiv nicht dafür geboren Lehrkörper zu werden. So wirklich gar nicht.
Ein kleines Blumengesteck, magisch haltbarer gemacht, sie hatte keine Karte vorbereitet, die naive Hoffnung hegen, dass dem alten Professor Thorn schon der Groschen fallen würde, dass Aissata dahinter steckte. Und im gleichen Atemzug würde er seine Liebe für sie erkennen, aber galant warten, ihr diese zu eröffnen, bis sie die Schule beendet hat und dann das Friede, Freude, Eierkuchenleben, welches sie sich wünschte.
Teresa war eine selbstständige Frau, doch der Bruch mit der Famiie…der übrigen Familie, wäre wie das Salz in der Wunde, gebrochene Spagetti und Ananas auf einer köstlichen Pizza. Eine Schande.
„Fangen wir dem Sticheln schon an, bevor Vater überhaupt im Raum ist?“ Ihre Stimme theatralisch tadelnd, aber offensichtlich Nikolajs Ton imitierend.
Katya, genauso wie der Rest der Familie, war kein Unmensch und nicht gefühlstot. Sie liebte ihre Geschwister, völlig egal, ob sie ihnen manchmal in Gedanken den Hals umdrehte oder gerade in ihrer Zeit als Ballerina wochenlang nichts von sich hören ließ, weil sie sich lieber im Bolshoi-Theater abgerackert hatte, fernab der Familie, ausgelassen und zügellos, und gleichzeitig verletzt und weggeworfen wie ausrangierte Ballettschuhe.
Ja, das hier war ihre ganz eigene Hölle. Eine Hölle mit weißen Theken und Schränken, mit klassisch mintfarbenen Absetzungen an den Rückwänden der Küchentheken und dem Türrahmen. Die meisten Nachbarn hatten ähnliche Küchen. Es war gerade in Mode. Aber manchmal machte sie das Mintgrün wahnsinnig.
Die Männer hatten in der Küche nichts verloren, sie störten nur mit ihren wenig geistreichen Kommentaren und – weitaus schlimmer – ihren ungefragten Tipps.
Er nahm es mit noch weniger Fassung als Zenaida – und eine kleinlaute Stimme in ihrem Kopf fragte sich, ob das überhaupt möglich war.
Die meisten Namen ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen waren ihr entgangen, aber über die Heulsuse des Jahrzehnts hatte sie sich besonders oft lustig gemacht und entsprechend hatte sich sein Name bei ihr eingebrannt. Der Blonde sah aus, als ob er sich jeden Moment übergeben würde. Hauptsache nicht auf Zenaida oder ihre Schuhe.
Mit solchen Dingen war sie noch nie konfrontiert worden. Sonst hieß es immer nur, Zenaida Blum, ich will sein wie sie, Zenaida Blum, wie kann man nur so hübsch sein, Zenaida Blum schafft sogar Bestnoten zu halten… Die Zeiten waren jetzt wohl vorbei.
Zenaida Blum war durchgefallen, Zenaida Blum musste das Jahr wiederholen, Zenaida Blum hat endlich bekommen, was sie verdiente.
Hier sind wir wieder, live für Sie aus dem Stadio Olimpico in Rom. Nach der Halbzeit geht es weiter. Was für eine Show… Bellandi gegen Bellandi. Balthazar schafft es nicht die Enttäuschung seiner Frau zu sehen-, Balthazar ballte die Fäuste in das Handtuch, ehe er es zurückgehangen hatte. Sein vorlautes Familiar wollte ihn heute Abend also wirklich in den Wahnsinn treiben.
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